Persönliche Begegnung
Soziale Medien sollen Menschen miteinander verbinden. Gleichzeitig tragen sie paradoxerweise dazu bei, dass sich Menschen stärker isoliert und weniger miteinander verbunden fühlen. Digitale Plattformen sind hilfreich für den Austausch, ersetzen jedoch nicht die Tiefe und Echtheit persönlicher Beziehungen. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht und der Blick in die Augen eines anderen Menschen lassen sich durch kein digitales Gerät ersetzen.
Sehr treffend schreibt Johannes im Schlusssatz seines Briefes: «Ich hätte euch viel zu schreiben, aber ich wollte es nicht mit Brief und Tinte tun, sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mündlich mit euch zu reden, auf dass unsre Freude vollkommen sei» (2. Joh 12).
Schriftliche und digitale Kommunikation haben ihren Wert. Die persönliche Begegnung geht darüber hinaus. Gemeinschaft erhält eine besondere Tiefe, wenn Menschen einander unmittelbar begegnen und miteinander sprechen. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist die Begegnung Jesu mit Zachäus. Dieser kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, weil er Jesus sehen wollte: «Als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden» (Lk 19,5). Zachäus wollte Jesus zunächst nur aus sicherer Entfernung beobachten. Dann wurde aus dem Zuschauen eine persönliche Begegnung.
Auch im Alten Testament finden wir ein eindrückliches Beispiel. Sarai gab ihre ägyptische Magd Hagar ihrem Mann Abram, weil sie überzeugt war, auf diese Weise zur Erfüllung von Gottes Verheissung zahlreicher Nachkommen beitragen zu müssen. In der Folge achtete Hagar ihre Herrin gering, und Sarai behandelte sie schlecht. Die angespannte familiäre Situation veranlasste Hagar schliesslich zur Flucht in die Wüste.
Als sie weinend bei der Wasserquelle am Weg nach Schur sass, erschien ihr der Engel des Herrn. Viele christliche Ausleger erkennen in dieser Erscheinung Jesus Christus. Er fragte Hagar, woher sie kam und wohin sie gehen wollte. Nachdem sie ihre Lage geschildert hatte, forderte er sie auf, zu ihrer Herrin zurückzukehren und sich ihr unterzuordnen. Daraufhin sagte Hagar etwas Erstaunliches: «Und sie nannte den Namen des Herrn, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat» (1. Mose 16,13).
Gott sieht uns wirklich. Wir können uns vor ihm nicht verbergen, auch wenn dieser Gedanke manchen Menschen unangenehm sein mag. Zugleich dürfen auch wir ihn erkennen. Der Heilige Geist schenkt uns dazu «erleuchtete Augen des Herzens» (Eph 1,18). So erkennen wir einen Gott, dem wir wichtig sind. Er schaut uns mit Liebe, Mitgefühl, Barmherzigkeit und Gnade an. Er kümmerte sich um Hagar und sorgt ebenso für uns.
Wenn wir uns der Gegenwart Gottes bewusst sind, nehmen wir auch unsere Mitmenschen bewusster wahr. Persönliche Begegnungen, ein offener Blick und echte Aufmerksamkeit schaffen Raum für authentische Beziehungen. Am besten gelingt das, wenn kein Bildschirm zwischen uns, unseren Mitmenschen und Gott steht.
von Tammy Tkach
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