Der hohe Preis des Reiches Gottes

523 der hohe preis des reiches gottesDie Verse in Markus 10,17-31 gehören zu einem Abschnitt, der von Markus 9 bis 10 reicht. Diesem Abschnitt könnte man die Überschrift „Der hohe Preis des Reiches Gottes“ geben. Er beschreibt die Zeitspanne kurz vor dem Ende des Lebens Jesu auf Erden.

Da sind Petrus und die anderen Jünger gerade dabei zu verstehen, dass Jesus der verheissene Messias ist. Doch sie verstehen noch nicht, dass Jesus der Messias ist, der leiden wird, um zu dienen und zu erretten. Sie begreifen nicht, welchen hohen Preis das Reich Gottes kostet – den Preis, den Jesus mit der Hingabe seines Lebens bezahlt, um der König dieses Reiches zu sein. Ebenso verstehen sie nicht, was es sie als Jünger Jesu kosten wird, um Bürger im Reich Gottes zu werden.

Es geht nicht darum, wie wir uns einen Zugang ins Gottes Reich kaufen können – sondern darum, mit Jesus an seinem königlichen Leben teilzuhaben und so unser Leben mit der Lebensweise in seinem Reich in Einklang zu bringen. Es gibt einen Preis, der dafür zu zahlen ist, und Markus zeigt das in diesem Abschnitt auf, indem er sechs Eigenschaften Jesu hervorhebt: gebetsvolle Abhängigkeit, Selbstverleugnung, Treue, Grosszügigkeit, Demut und beharrlichen Glauben. Wir werden uns alle sechs Eigenschaften ansehen und dabei die vierte besonders im Auge behalten: die Grosszügigkeit.

Die gebetsvolle Abhängigkeit

Als Erstes gehen wir zu Markus 9,14-32. Jesus ist über zwei Dinge betrübt: Es ist einerseits der Widerstand, der ihm von den Gesetzeslehrern entgegenschlägt und andererseits ist es der Unglaube, den er bei all den vielen Menschen und bei seinen eigenen Jüngern sieht. Die Lektion in diesem Abschnitt besteht darin, dass der Sieg des Reiches Gottes (in diesem Fall über Krankheiten) nicht vom Ausmass unseres Glaubens abhängt, sondern vom Ausmass des Glaubens Jesu, den er später durch den Heiligen Geist mit uns teilt.

In diesem Umfeld, wo es um menschliche Schwächen geht, erklärt Jesus, dass ein Teil der hohen Kosten des Reiches Gottes darin besteht, sich im Gebet mit einer Haltung der Abhängigkeit an ihn zu wenden. Was ist der Grund? Weil er allein den vollen Preis des Reiches Gottes bezahlt, indem er bald darauf für uns sein Leben opfert. Leider verstehen die Jünger das noch nicht.

Selbstverleugnung

Weiter in Markus 9,33-50 wird den Jüngern gezeigt, dass ein Teil der Kosten des Reiches Gottes darin besteht, das eigene Verlangen nach Vorherrschaft und Macht aufzugeben. Selbstverleugnung ist der Weg, der das Reich Gottes gross macht, was Jesus mit Hinweis auf schwache, hilflose Kinder veranschaulicht.

Jesu Jünger waren gar nicht fähig, sich selbst völlig zu verleugnen, so weist diese Ermahnung auf Jesus hin, der allein vollkommen ist. Wir sind berufen, ihm zu vertrauen – seine Person anzunehmen und seiner Lebensweise vom Reich Gottes zu folgen. In der Nachfolge Jesu geht es nicht darum, der Grösste oder der Mächtigste zu sein, sondern sich selbst zu verleugnen, um Gott zu dienen, indem man den Menschen dient.

Treue

In Markus 10,1-16 wird beschrieben, wie Jesus anhand der Ehe aufzeigt, dass die hohen Kosten des Reiches Gottes die Treue in den engsten Beziehungen beinhalten. Anschliessend macht Jesus klar, wie unschuldige kleine Kinder ein positives Beispiel abgeben. Nur diejenigen, die das Reich Gottes mit dem einfachen Glauben (Vertrauen) eines Kindes empfangen, erfahren wirklich, wie es ist, zum Reich Gottes zu gehören.

Grosszügigkeit

Als Jesus sich wieder auf den Weg machte, kam ein Mann angelaufen, warf sich vor ihm auf die Knie und fragte: "Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Warum nennst du mich gut?, entgegnete Jesus. "Gut ist nur Gott, sonst niemand. Du kennst doch die Gebote: Du sollst keinen Mord begehen, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst keine falschen Aussagen machen, du sollst niemand um das Seine bringen, ehre deinen Vater und deine Mutter! Meister, erwiderte der Mann, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Jesus sah ihn voller Liebe an. Er sagte zu ihm: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe alles, was du hast, und gib den Erlös den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und dann komm und folge mir nach! Der Mann war tief betroffen, als er das hörte, und ging traurig weg, denn er hatte ein grosses Vermögen.

Jesus sah seine Jünger der Reihe nach an und sagte: Wie schwer ist es doch für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Die Jünger waren über seine Worte bestürzt; aber Jesus sagte noch einmal: Kinder, wie schwer ist es, ins Reich Gottes zu kommen! Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt. Sie erschraken noch mehr. Wer kann dann überhaupt gerettet werden?, fragten sie einander. Jesus sah sie an und sagte: Bei den Menschen ist das unmöglich, aber nicht bei Gott; für Gott ist alles möglich. Da sagte Petrus zu Jesus: Du weisst, wir haben alles zurückgelassen und sind dir nachgefolgt. Jesus erwiderte: Ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker zurücklässt, bekommt alles hundertfach wieder: jetzt, in dieser Zeit, Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker – wenn auch unter Verfolgungen – und in der kommenden Welt das ewige Leben. Aber viele, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein" (Mk 10,17-31 NGÜ).

Hier wird Jesus ganz deutlich, um was es bei dem hohen Preis des Reiches Gottes geht. Der reiche Mann, der sich an Jesus wandte, besass alles, ausser was wirklich zählt: das ewige Leben (das Leben im Reich Gottes). Obwohl er dieses Leben erhalten möchte, ist er nicht bereit, den hohen Preis dafür zu zahlen, um es zu besitzen. Es geschieht hier dasselbe, wie in der bekannten Geschichte vom Affen, der seine Hand nicht aus der Falle ziehen kann, weil er nicht bereit ist, das, was in seiner Hand ist, loszulassen; so ist auch der reiche Mann nicht bereit, sich von seiner Fixierung auf materiellen Reichtum zu lösen.

Obschon er eindeutig liebenswert und eifrig ist; und zweifellos moralisch aufrecht, schafft es der reiche Mann nicht, sich dem zu stellen, um was es für ihn (angesichts seiner Situation) bedeuten wird, wenn er Jesus nachfolgt (was das ewige Leben ausmacht). So geht der reiche Mann traurig von Jesus weg und wir hören nichts mehr von ihm. Er traf seine Wahl, zumindest für damals.

Jesus beurteilt die Situation des Mannes und sagt seinen Jüngern, dass es für einen Reichen sehr schwierig sei, in das Reich Gottes zu gelangen. Tatsächlich ist es ohne Gottes Hilfe völlig unmöglich! Um es besonders anschaulich zu machen, benutzt Jesus ein komisch anmutendes Sprichwort – eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr!

Jesus lehrt auch, dass das Geben von Geld an die Armen und andere Opfer, die wir für das Reich Gottes aufbringen, sich für uns auszahlen (einen Schatz bilden) – jedoch erst im Himmel, nicht hier auf der Erde. Je mehr wir geben, desto mehr werden wir erhalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir für das Geld, das wir für Gottes Werk spenden, viel mehr zurückbekommen, wie es von einigen Gruppen, die ein Gesundheits- und Wohlstandsevangelium predigen, gelehrt wird.

Was Jesus lehrt, bedeutet, dass geistliche Belohnungen im Reich Gottes (sowohl jetzt als auch in der Zukunft) bei weitem alle Opfer übertreffen werden, die wir jetzt geben könnten, um Jesus nachzufolgen, selbst wenn die Nachfolge Zeiten der Not und Verfolgung einschliessen.

Während er über diese Nöte spricht, fügt Jesus eine weitere Ankündigung hinzu, die detaillierter auf sein bevorstehendes Leiden eingeht:

"Sie waren auf dem Weg hinauf nach Jerusalem; Jesus ging voran. Unruhe hatte die Jünger ergriffen, und auch die anderen, die mitgingen, hatten Angst. Er nahm die Zwölf noch einmal beiseite und kündigte ihnen an, was mit ihm geschehen werde. "Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf, sagte er. »Dort wird der Menschensohn in die Gewalt der führenden Priester und der Schriftgelehrten gegeben. Sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden übergeben, die Gott nicht kennen. Die werden ihren Spott mit ihm treiben, ihn anspucken, auspeitschen und schliesslich töten. Doch drei Tage danach wird er auferstehen" (Mk 10,32-34 NGÜ).

Etwas im Verhalten Jesu, aber auch in seinen Worten, bringt die Jünger zum Staunen und verängstigt die ihnen folgende Menschenmenge. Irgendwie fühlen sie, dass eine Krise bevorsteht und das ist auch so. Jesu Worte sind eine eindringliche Erinnerung daran, wer den letztendlich sehr hohen Preis für das Reich Gottes zahlt – und Jesus tut dies für uns. Vergessen wir das niemals. Er ist der Grosszügigste überhaupt und wir sind berufen, ihm zu folgen, um an seiner Grosszügigkeit teilzuhaben. Was hält uns davon ab, grosszügig zu sein wie Jesus? Dies ist etwas, worüber wir nachdenken und beten sollten.

Demut

Im Abschnitt über die hohen Kosten des Reiches Gottes kommen wir zu Markus 10,35-45. Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, gehen zu Jesus, um ihn um eine hohe Stellung in seinem Königreich zu bitten. Es ist schwer zu fassen, dass sie sich so vordrängen und so egozentrisch sind. Wir wissen jedoch, dass solche Einstellungen tief in unserer gefallenen menschlichen Natur verwurzelt sind. Wäre den beiden Jünger bewusst gewesen, was die wahren Kosten einer solch hohen Position im Reich Gottes sind, hätten sie es nicht gewagt, diese Bitte an Jesus zu richten. Jesus warnt sie, dass sie leiden werden. Das muss jedoch nicht unbedingt heissen, dass ihnen dies eine hohe Stellung im Reich Gottes einbringen wird, denn jeder hat Leid zu tragen. Die Vergabe einer hohen Stellung steht allein Gott zu.

Die anderen Jünger, die zweifellos ebenso egozentrisch wie Jakobus und Johannes sind, ärgern sich über deren Bitte. Wahrscheinlich wünschten sich ebenfalls diese Stellungen der Macht und des Prestiges. Deshalb erklärt Jesus ihnen wieder einmal geduldig den völlig anderen Wert des Reiches Gottes, wo wahre Grösse sich im demütigen Dienen zeigt.

Jesus selbst ist das herausragende Beispiel für diese Demut. Er kam, um als leidender Diener Gottes, wie in Jesaja 53 prophezeit, sein Leben hinzugeben, als „ein Lösegeld für die Vielen“.

Beharrlicher Glaube

Der Abschnitt über unser Thema endet mit Markus 10,46-52, in dem beschrieben wird, dass Jesus mit seinen Jüngern von Jericho nach Jerusalem zieht, wo er leiden und sterben wird. Auf dem Weg treffen sie auf einen Blinden namens Bartimäus, der Jesus um Erbarmen anruft. Jesus reagiert darauf, indem er dem Blinden das Augenlicht wiedergibt und ihm sagt, „dein Glaube hat dir geholfen“. Daraufhin schliesst sich Bartimäus Jesus an.

Zum einen ist dies eine Lektion über den menschlichen Glauben, der zwar unvollkommen und doch wirksam ist, wenn er beharrlich ist. Letztendlich geht es um den beharrlichen, vollkommen Glauben Jesu.

Schlussbetrachtung

An dieser Stelle sei der hohe Preis des Reiches Gottes nochmals genannt: gebetsvolle Abhängigkeit, Selbstverleugnung, Treue, Grosszügigkeit, Demut und beharrlicher Glaube. Wir erleben das Reich Gottes, wenn wir diese Eigenschaften annehmen und praktizieren. Klingt das etwas beängstigend? Ja, bis wir erkennen, dass dies Eigenschaften von Jesus selbst sind – Eigenschaften, die er durch den Heiligen Geist mit denen teilt, die ihm vertrauen und die ihm im Vertrauen folgen.

Unsere Teilhabe am Leben in Jesu Königreich ist nie vollkommen, aber wenn wir Jesus folgen, „überträgt“ sich das auf uns. Das ist der Weg der christlichen Nachfolge. Es geht nicht darum, sich einen Platz im Reich Gottes zu verdienen – in Jesus haben wir diesen Platz. Es geht nicht darum, sich Gottes Gunst zu verdienen – dank Jesus haben wir Gottes Gunst. Entscheidend ist, dass wir an Jesu Liebe und Leben teilhaben. Er besitzt all diese Eigenschaften vollkommen und in Fülle und ist bereit, sie mit uns zu teilen, und genau das tut er durch den Dienst des Heiligen Geistes. Liebe Freunde und Nachfolger Jesu, öffnet Eure Herzen und Euer ganzes Leben für Jesus. Folgt ihm und empfangt von ihm! Kommt herzu in die Fülle seines Königreiches.

von Ted Johnston