Das Evangelium – ein Markenartikel?

223 das evangelium ein markenartikelIn einem seiner frĂŒhen Filme sagt John Wayne zu einem anderen Cowboy: “Ich mag die Arbeit mit dem Brandeisen nicht – es tut weh, wenn man an der falschen Stelle steht!“ Seine Bemerkung fand ich recht lustig, doch sie brachte mich auch dazu, darĂŒber nachzudenken, wie Kirchen das Evangelium durch unangemessene Verwendung von Vermarktungstechniken wie z.B. die intensive Werbung fĂŒr Markenprodukte schĂ€digen können. In unserer Vergangenheit suchte unser GrĂŒnder nach einem starken Verkaufsargument und machte uns zur „einzig wahren Kirche“. Diese Vorgehensweise beeintrĂ€chtigte die biblische Wahrheit, da das Evangelium neu definiert wurde, um den Markennamen zu fördern.

Beteiligt an Jesu Werk der Verbreitung seines Evangeliums

Unsere Berufung als Christen besteht nicht darin ein Markenprodukt zu vermarkten, sondern sich an Jesu Werk mit der Hilfe des Heiligen Geistes zu beteiligen und durch die Kirche sein Evangelium in der Welt zu verbreiten. Jesu Evangelium spricht mehrere Dinge an: Wie Vergebung und Versöhnung durch Jesu Versöhnungsopfer vollbracht wurde; wie der Heilige Geist uns erneuert (und was es bedeutet, ein neues Leben zu fĂŒhren); das Wesen unserer Berufung als Nachfolger Jesu, die sich seiner weltweiten Mission anschliessen; und die sichere Hoffnung, dass wir fĂŒr immer der Gemeinschaft angehören, die Jesus mit dem Vater und dem Heiligen Geist hat.

Es gibt Anwendungsbereiche, wenn auch eingeschrĂ€nkt, in denen Marketing (inklusive Markenpflege) von Nutzen ist, um den Dienst am Evangelium auszufĂŒhren, zu dem uns Jesus berufen hat. Zum Beispiel können wir Logos, Webseiten, soziale Medien, Bulletins, Newsletter, Symbole, Rundschreiben und andere Kommunikationsmittel verwenden, die uns helfen, Jesu Botschaft zu verbreiten und den Glauben in Menschen zu wecken. Auf jeden Fall sollten solche Mittel zweckdienlich sein und uns nicht davon abhalten, Licht und Salz in unseren BĂŒrgergemeinden zu sein. So gesehen bin ich nicht gegen richtig angewandtes Marketing, aber ich möchte auch einen Appell zur Vorsicht dazu anbringen und diesen mit einem Ausblick verknĂŒpfen.

Appell zur Vorsicht

Laut der Definition von George Barna ist Marketing „ein Sammelbegriff, der alle AktivitĂ€ten einschliesst, die dazu fĂŒhren, dass sich zwei Parteien darĂŒber einig werden, GĂŒter von adĂ€quatem Wert auszutauschen“ (in A Step by Step Guide to Church Marketing; dt: Schrittweise EinfĂŒhrung ins Kirchen-Marketing). Barna erweitert den Begriff Marketing, indem er AktivitĂ€ten wie Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, Strategische Planung, Kundenbefragung, Vertriebswege, Spendenbeschaffung, Preispolitik, Visionskonzeption und Kundendienst als Elemente des Marketings hinzufĂŒgt. Dann schliesst Barna: „Wenn diese Elemente sich in einer Transaktion zusammenfinden, die die beteiligten Parteien zu einem Austausch von GĂŒtern adĂ€quater Werte veranlasst, so schliesst sich der Marketingkreis“. Lassen Sie uns die Vorstellung von einem Austausch mit GĂŒtern von adĂ€quaten Wert eine Weile im GedĂ€chtnis halten.

Es ist erst ein paar Jahre her, da studierten einige unserer Pastoren ein bekanntes Buch von einem Leiter einer sĂŒdkalifornischen Mega-Kirche. Die wesentliche Aussage des Buches bestand darin, dass man Leuten und ihren Gemeinden etwas bieten könne, das sie begeistert annehmen wĂŒrden, wenn man die eigene Kirche in einer bestimmten Weise vermarktet. Einige unserer Pastoren haben die empfohlenen Marketing-Techniken ausprobiert und wurden enttĂ€uscht, da ihre Mitgliederzahlen nicht wuchsen.

Aber sollen wir das Evangelium (und unsere Gemeinden) so vermarkten, wie Walmart und Sears ihre Produkte vermarkten – oder sogar Marketingmethoden anwenden, die bestimmte Gemeinden verwenden, um numerisches Wachstum zu generieren? Ich denke, wir stimmen darin ĂŒberein, dass wir das Evangelium nicht wie einen Konsumartikel von angeblich grossem Wert anpreisen mĂŒssen. Das hatte Jesus sicherlich nicht im Sinn, als er uns den Auftrag gab, das Evangelium in der Welt zu verkĂŒnden und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zu JĂŒngern zu machen.

Wie der Apostel Paulus niederschrieb, wird das Evangelium oft von entschieden weltlich orientierten Menschen als reaktionĂ€r oder verdummend dargestellt (1. Kor 1,18-23) und schon gar nicht als attraktiver, hochbegehrter Konsumartikel angesehen. Als Nachfolger Jesu sind wir nicht fleischlich gesinnt, sondern geistlich gesinnt (Röm 8,4-5). Sicherlich sind wir darin nicht perfekt, aber durch den Heiligen Geist sind wir nach Gottes Willen ausgerichtet (und folglich auch auf sein Werk). So verstanden, ĂŒberrascht es nicht, dass Paulus gewisse „menschliche“ (weltliche) Techniken zur Verbreitung des Evangeliums zurĂŒckwies:

Da Gott uns in seiner Gnade diese Aufgabe anvertraut hat, verlieren wir nicht den Mut. Wir lehnen alle skrupellosen Methoden der VerkĂŒndigung ab. Wir versuchen nicht jemanden zu ĂŒberlisten, und wir verfĂ€lschen Gottes Wort nicht, sondern wir sprechen die Wahrheit vor Gott. Das wissen alle, die aufrichtige Herzen haben (2. Korinther 4,1-2; Neues Leben). Paulus lehnte die Anwendung von Methoden ab, die kurzfristig zu Erfolgen fĂŒhren aber zu Lasten des Evangeliums gehen. Die einzige Art von Erfolg, die er sich im Leben und Dienst wĂŒnschte, soll aus der Verbundenheit mit Christus und dem Evangelium resultieren.

Einige Werbeversprechen von Kirchen, die das Evangelium wie ein Erfolgsrezept anpreisen, klingen wie folgt: „Kommen Sie in unsere Kirche und Ihre Probleme werden gelöst. Sie werden Gesundheit und Wohlstand erlangen. Sie werden reich gesegnet werden“. Die versprochenen Segnungen haben typischerweise mit Macht, Erfolg und WunscherfĂŒllung zu tun. Der Zucker-und-Peitsche-Effekt setzt ein, wenn die Interessierten mit den erforderlichen Bedingungen bekannt gemacht werden – wenn es um Dinge wie ein hohes Glaubensniveau geht, um die Teilnahme an einer Kleingruppe, Zahlung des Zehnten, aktive Beteiligung an einem Dienst der Kirche, oder der Einhaltung von bestimmten Zeiten fĂŒr Gebet und Bibelstudium. Obwohl diese hilfreich fĂŒr das Wachstum in der Nachfolge Jesu sind, so kann doch nichts davon Gott bewegen, dass er wohlwollend unsere WĂŒnsche im Austausch von Dingen erfĂŒllt, die er angeblich von uns erwartet.

Unlautere Werbung und betrĂŒgerisches Marketing

Das Ködern von Menschen mit Aussagen, sie könnten zu Gott kommen, damit er ihre WĂŒnsche erfĂŒllt, ist unlautere Werbung und betrĂŒgerisches Marketing. Es ist nichts weiter als Heidentum in modernem Gewand. Christus ist nicht gestorben, um unsere eigennĂŒtzigen KonsumwĂŒnsche zu erfĂŒllen. Er ist nicht gekommen, um uns Gesundheit und Wohlstand zu garantieren. Stattdessen kam er, um uns in die gĂŒtige Beziehung mit dem Vater, Sohn und Heiligen Geist aufzunehmen und uns Frieden, Freude und Hoffnung zu schenken, was die FrĂŒchte dieser Beziehung sind. Dadurch werden wir gestĂ€rkt mit Gottes teurer und verĂ€ndernder Liebe, um andere Menschen zu lieben und ihnen zu helfen. Diese Art der Liebe kann von manchen (und vielleicht vielen) als aufdringlich oder anstössig empfunden werden, sie weist sie aber immer auch auf die Quelle dieser errettenden, versöhnenden und verĂ€ndernden Liebe hin.

Sollen wir das Evangelium als ein Tauschobjekt von adĂ€quatem Wert zwischen zwei sich einig gewordenen Parteien vermarkten? Bestimmt nicht! Das Evangelium ist ein Geschenk fĂŒr alle durch Gottes Gnade. Und alles was wir tun können, ist das Geschenk mit leeren, aufgehaltenen HĂ€nden entgegenzunehmen – voller dankbarer Annahme der Segnungen als zu Gott Gehörige. Die Gemeinschaft der Gnade und Liebe drĂŒckt sich aus durch ein Leben der dankbaren Anbetung – eine Reaktion, befĂ€higt durch den Heiligen Geist, der uns die Augen geöffnet und unseren stolzen und rebellische Drang zur UnabhĂ€ngigkeit genommen hat, um zur Ehre Gottes zu leben.

Ein wunderbarer Tausch

Mit diesen Gedanken im Sinn, möchte ich darauf hinweisen, dass in unserem Leben in und mit Christus und durch den Heiligen Geist, ein Tausch besonderer Art, ein wirklich wunderbarer Tausch stattgefunden hat. Bitte lesen Sie, was Paulus geschrieben hat:

Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst fĂŒr mich dahingegeben (Galater 2,19b-20 LUT).

Wir ĂŒbergeben unser sĂŒndiges Leben an Jesus und er gibt uns sein Leben der Gerechtigkeit. Wenn wir unser Leben aufgeben, finden wir sein Leben in uns wirkend. Wenn wir unser Leben unter die Herrschaft Christi stellen, finden wir den wahren Sinn unseres Lebens, nicht mehr nach unseren Bestrebungen zu leben, sondern um die Ehre Gottes, unseres Schöpfers und Erlösers, zu vergrössern. Dieser Tausch ist keine Marketingmethode – sondern geschieht aus Gnade. Wir erhalten volle Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, und Gott erhĂ€lt uns ganz mit Leib und Seele. Wir erhalten den gerechten Charakter Christi und er nimmt alle unsere SĂŒnden hinweg und schenkt uns völlige Vergebung. Das ist sicherlich kein Tausch von GĂŒtern adĂ€quaten Wertes!

Jeder GlĂ€ubige in Christus, ob Mann oder Frau, ist eine neue Kreatur – ein Kind Gottes. Der Heilige Geist schenkt uns neues Leben – das Leben Gottes in uns. Als neue Kreatur verĂ€ndert uns der Heilige Geist, um mehr und mehr an Christi vollkommener Liebe gegenĂŒber Gott und den Menschen teilhaftig zu werden. Wenn unser Leben in Christus ist, dann haben wir Teil an seinem Leben, sowohl in der Freude als auch in leidgeprĂŒfter Liebe. Wir sind Teilhaber seiner Leiden, seines Todes, seiner Gerechtigkeit, ebenso seiner Auferstehung, seiner Himmelfahrt und schliesslich seiner Verherrlichung. Als Gottes Kinder sind wir Miterben mit Christus, die aufgenommen sind in seine vollkommene Beziehung mit seinem Vater. In dieser Beziehung sind wir gesegnet durch all das, was Christus fĂŒr uns getan hat, damit wir Gottes geliebte Kinder werden, mit ihm vereint – in Herrlichkeit immerdar!

Voller Freude ĂŒber den wunderbaren Tausch,

Joseph Tkach

PrÀsident
GRACE COMMUNION INTERNATIONAL


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