Selbstporträt

648 selbstportraet Das umfangreiche Werk des Malers Rembrandt van Rijn (1606-1669) ist um ein Gemälde reicher geworden. Das kleine Porträt «Alter Mann mit Bart», dessen Schöpfer bislang als unbekannt galt, könne nun eindeutig dem berühmten niederländischen Künstler zugeschrieben werden, sagte der anerkannte Rembrandt-Experte Ernst van de Wetering in Amsterdam.

Mit Hilfe fortschrittlicher Scan-Techniken untersuchten Wissenschaftler das Rembrandt-Gemälde. Zu ihrer grossen Überraschung zeigte der Scan, dass sich unter dem Kunstwerk ein weiteres Gemälde befand - eines, bei dem es sich um ein frühes, unvollendetes Selbstporträt des Künstlers handeln könnte. Es scheint, dass Rembrandt mit einem Selbstporträt begonnen hatte und später die Leinwand benutzte, um den Alten Mann mit Bart zu malen.

Die Geschichte kann uns helfen, einen Fehler zu erkennen, den wir machen, wenn wir Gott zu verstehen versuchen. Die meisten von uns sind im Glauben aufgewachsen, dass Gott wie das sichtbare Bild ist - ein alter Mann mit einem Bart. Das ist die Art und Weise, wie religiöse Künstler Gott darstellen. Wir stellen uns Gott nicht nur alt vor, sondern auch als ein fernes, eher bedrohliches Lebewesen, starr und schnell zornig, wenn wir seinen unmöglichen Standards nicht gerecht werden. Aber diese Art, über Gott zu denken, ist wie das Gemälde des alten Mannes, unter dem sich das Selbstporträt verbirgt.

Die Bibel sagt uns, dass wir, wenn wir wissen wollen, wie Gott ist, nur auf Jesus Christus schauen sollen: «Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung» (Kolosser 1,15).
Um eine wahre Vorstellung davon zu erhalten, wie Gott wirklich ist, müssen wir unter die Schichten der populären Konzepte über Gott schauen und anfangen, Gott zu sehen, der sich in Jesus Christus offenbart hat. Wenn wir das tun, kommt ein wahres und unverzerrtes Bild und Verständnis von Gott zum Vorschein. Nur dann können wir herausfinden, wie Gott wirklich über uns denkt. Jesus sagt: «So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?» (Johannes 14,9).

Nur Jesus zeigt uns, wie Gott wirklich ist. Er ist keineswegs eine entfernte und distanzierte Person, und zeigte, dass Gott - Vater, Sohn und Heiliger Geist - uns bedingungslos liebt. Gott ist nicht irgendwo da draussen im Himmel, der uns böse ansieht und bereit ist, zuzuschlagen und zu bestrafen. «Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben» (Lukas 12,32).

Die Bibel sagt uns, dass Gott Jesus in die Welt gesandt hat, weil er die Welt liebt - nicht um die Menschheit zu verurteilen, sondern um sie zu retten. «Der Herr verzögert nicht die Verheissung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Busse (Reue) finde» (2. Petrus 3,9).

Sobald die Schichten der Missverständnisse überwunden sind, offenbart sich das Bild eines Gottes, der uns mehr liebt, als wir uns vorstellen können. «Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reissen» (Johannes 10,29).

Durch Jesus wird uns das wahre Herz Gottes für uns gezeigt. Wir sehen ihn so, wie er wirklich ist, nicht irgendwo weit weg und weder zornig noch gleichgültig uns gegenüber. Er ist genau hier bei uns, bereit, wenn wir uns, zu ihm hinwenden, um seine liebende Umarmung zu empfangen, genau wie Rembrandt es in einem anderen seiner Gemälde, Die Rückkehr des verlorenen Sohnes, darstellt.

Unser Problem ist, dass wir uns selbst im Weg stehen. Wir verwenden unsere eigenen Farben und ziehen unsere eigenen Striche. Manchmal können wir Gott komplett aus dem Bild wegretuschieren. Paulus sagte: «Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist» (2. Korinther 3,18). Unter all dem macht der Heilige Geist uns zum Bild von Jesus, der das Selbstbildnis des Vaters ist. Während wir geistlich wachsen, sollte dieses Bild immer deutlicher sichtbar werden. Lassen Sie nicht zu, dass andere Bilder Ihnen die Sicht darauf verstellen, wer Gott ist oder wie Gott über Sie denkt. Schauen Sie auf Jesus, der allein das Selbstbildnis Gottes, sein Ebenbild ist.

von James Henderson