Gerettet aus Gnade ohne Leistung
Werden wir durch unsere eigene Anstrengung gerettet? In meinem Leben gibt es viele Situationen, in denen ich versuche, geistliche Ziele ohne die Hilfe Gottes zu erreichen. Es gibt Dinge, die ich überwinden möchte, indem ich mir vornehme, sie allein mit meiner eigenen Kraft und Fähigkeiten zu bewältigen, ohne mich bewusst auf Jesus oder seinen Geist zu stützen, der in mir wohnt. So verhalte ich mich, als könnte ich Vollkommenheit aus eigener Leistung erreichen. Dabei muss ich mir immer wieder neu vor Augen führen, dass meine Rettung ein Geschenk der Gnade ist und nicht das Ergebnis meiner guten Werke. Diese können gut gemeint sein, retten mich aber nicht.
Paulus erinnert die junge Gemeinde in Galatien daran, dass das Werk Gottes, das durch seinen Geist begonnen wurde, nicht von menschlicher Tätigkeit abhängig ist: «Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden? Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! Der euch nun den Geist darreicht und wirkt solche Taten unter euch, tut er’s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?» (Galater 3,3-5).
Jesus ist der vollkommene Mensch. Entscheidend ist nicht, dass wir uns selbst zur Vollkommenheit emporarbeiten, sondern dass er vollkommen ist und wir Anteil an seiner Vollkommenheit haben. In ihm finden wir unsere Hoffnung und unsere wahre Identität. Wir haben Gnade empfangen. Sie wurde uns nicht wegen unseres moralischen Verhaltens oder besonderer Leistungen geschenkt, sondern aufgrund dessen, was Jesus Christus stellvertretend für uns vollbracht hat. Unser Glaube gründet allein auf Gottes Gnade. Durch die vollkommene Liebe Gottes erhalten wir auch das ewige Leben. Paulus schreibt: «Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben» (Galater 2,20).
Durch das Handeln Jesu am Kreuz sind wir mit ihm in seine Kreuzigung hineingenommen worden. Dieses Geschehen hat unsere ganze Existenz grundlegend verändert. Weiter lesen wir: «Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen» (Philipper 2,13).
Gott selbst ist derjenige, der das Gute in uns hervorbringt. Letztlich ist nicht ausschlaggebend, wer wir aus uns selbst sind, sondern wer wir in Jesus sind. An anderer Stelle beschreibt Paulus seinen Dienst mit den folgenden Worten: «Denen wollte Gott kundtun, was der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Völkern ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Den verkündigen wir und ermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen in aller Weisheit, auf dass wir einen jeden Menschen in Christus vollkommen machen. Dafür mühe ich mich auch ab und ringe in seiner Kraft, die mächtig in mir wirkt» (Kolosser 1,27-29).
Welche Kraft ist in uns wirksam? Es ist der Heilige Geist, der unser inneres Wesen prägt, verwandelt und erneuert. Durch den Geist Jesu ist Jesus selbst ständig gegenwärtig bei uns. Er lebt in uns – das ist die Freiheit, die wir in ihm haben. In seiner Gegenwart werden die Lasten des Lebens leichter. Unsere Perspektive richtet sich auf das Wesentliche, unsere Sicht wird klarer. Paulus beschreibt diese neue Wirklichkeit so: «Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden» (2. Korinther 5,14–17).
Die Liebe Christi bewegt und trägt uns. Sie lenkt unseren Blick auf Jesus und führt uns in ein erneuertes Leben. Darum gilt: «Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aufgrund von Werken; sonst wäre Gnade nicht Gnade» (Römer 11,6).
Gott ist uns jederzeit nah. Seine Gegenwart begleitet uns durch Zweifel, durch den Alltag und durch alle Aufgaben und Verantwortungen, die wir tragen. Paulus fasst die Grundlage unserer Rettung in einem bekannten Satz zusammen: «Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme» (Epheser 2,8–9).
Rettung entspringt ausschliesslich der Gnade Gottes. Sie ist weder Lohn für unseren Einsatz noch Ergebnis unserer Verdienste. Alles beginnt aus der Gnade Gottes und seiner tiefen Liebe, die darin sichtbar geworden ist, dass Jesus für uns gestorben ist. Auch die Kraft für unseren Alltag stammt nicht aus uns selbst: «Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht» (Philipper 4,13).
Darum dürfen wir uns Jesus immer wieder neu bewusst zuwenden. Wir können ihn bitten, unser geistliches Leben in, durch und mit ihm zur Reife zu führen. So erhalten wir Anteil an der Vollkommenheit Jesu Christi. Er ist es, der stärkt und vollendet, was er in uns begonnen hat. Paulus formuliert es so: «Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott. Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber; sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott» (2. Korinther 3,4–5).
Alle Fähigkeiten und Gaben, die wir besitzen, kommen letztlich von Gott. Jesus ist die Vollkommenheit in Person. Aus ihm entspringen unsere guten Gedanken und unser neuer Lebensweg. Unsere Erlösung gründet einzig und allein in der Liebe, Güte und der Gnade Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt wurde.
von James Henderson