Gottes Nähe in Zeit und Unendlichkeit
Woher wissen Sie, dass Gott existiert? Woher wissen Sie, dass Gott Sie persönlich liebt? Diese Fragen tragen viele Menschen unausgesprochen in ihrem Herzen. Die Antworten sind so konkret und greifbar wie die prägenden Momente Ihres eigenen Lebens.
Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie ich zu einer gewissen Nostalgie neige. Viele Menschen halten sich instinktiv an Erinnerungen fest, in der Hoffnung, darin Sinn, Trost und Orientierung zu finden. Wenn ich in meine Heimat Indien reise, besuche ich ganz bewusst Orte und Wegmarken meines Lebens. Während ich mir diese vergangenen, aber nicht vergessenen Situationen vor Augen führe, nehme ich in der Gegenwart die sanfte Stimme Gottes wahr, die gleichsam sagt: «Ich war bei dir, als du mit dem Fahrrad unterwegs warst und mit Selbstmordgedanken gekämpft hast. Als du neun Jahre alt warst und deine Grossmutter starb, habe ich es so gefügt, dass auf ihrem Grabstein zur rechten Zeit genau der Vers stand, der dich zur Bekehrung führte. Ich war da!»
In erschütternden Lebensphasen wie der Scheidung der eigenen Eltern, der Geburt eines Kindes oder dem Tod eines geliebten Menschen hinterlässt Gott erkennbare Zeichen. Es gibt einen Grund, warum Sie sich an solche Momente so lebhaft erinnern. Wir können uns entscheiden, darauf zu hören oder es zu übergehen. Aber unabhängig davon ruft Gottes Stimme aus unserer Erinnerung heraus: «Ich war da.»
König David machte ebenfalls diese Erfahrung und formulierte sie im Gebet: «Ich sitze oder stehe auf, so weisst du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht alles wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen» (Psalm 139,2-6).
Gott war in Ihrer Vergangenheit gegenwärtig. Er ist heute bei Ihnen, und er wird auch in Ihrer Zukunft da sein. C. S. Lewis hat von Gottes Existenz «im ewigen Jetzt» gesprochen. Gott ist nicht an unsere Zeitgrenzen gebunden. Der Psalmbeter, der mit beiden Füssen fest auf der Erde steht und sich doch nach dem Ewigen ausstreckt, beschreibt es so: «Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit» (Psalm 90,2).
Darum müssen wir uns von den Bedrohungen und Unsicherheiten des Augenblicks nicht einschüchtern lassen. Wenn wir auf die Wegmarken unseres Lebens zurückschauen, ahnen wir etwas von einer Wirklichkeit, die grösser ist als unsere momentane Situation. In diesen Momenten blitzt etwas von der Transzendenz auf, und wir spüren eine Realität, die von der ewigen, vollkommenen Liebe Gottes geprägt ist. Er war damals bei Ihnen. Er ist jetzt an Ihrer Seite. Und er liebt Sie – so, wie Sie sind.
William Shakespeare schrieb: «Die Liebe, nach der man sucht, ist gut, aber besser ist es, wenn sie ungebeten gegeben wird.» Wie wissen Sie also, dass Gott Sie liebt? Während Sie und ich noch Sünder waren, verstrickt in unsere eigene Selbstbezogenheit, gab Christus sein Leben für uns: «Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren» (Römer 5,8).
Am Kreuz tritt die Ewigkeit selbst in unsere Zeit ein, «in die Fülle der Zeit», um Sie und mich zu erreichen, jetzt und für immer. In Jesus Christus hat Gott sich unübersehbar zu Ihnen gestellt. Er lebt in diesem Augenblick und in alle Ewigkeit, und er will in Ihnen und mit Ihnen leben.
von Ravi Zacharias