Ich bin die Frau von Pilatus

593 ich bin die frau von pilatus In der Nacht bin ich plötzlich aufgewacht, war erschrocken und erschüttert. Ich starrte erleichtert an die Decke und dachte, mein Albtraum über Jesus sei nur ein Traum. Aber wütende Stimmen, die durch die Fenster unserer Residenz kamen, brachten mich zurück in die Realität. Ich war zutiefst beunruhigt über die Nachricht von Jesu Verhaftung, dass ich mich für den Abend zurückzog. Ich wusste nicht, warum er eines Verbrechens beschuldigt wurde, das sein Leben kosten könnte. Er hatte so vielen Bedürftigen geholfen.

Von meinem Fenster aus konnte ich den Richterstuhl sehen, an dem mein Ehemann Pilatus, der römische Gouverneur, öffentliche Anhörungen durchführte. Ich hörte ihn schreien: «Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus?».

Ich wusste, dass dies nur bedeuten konnte, dass die Ereignisse während der Nacht für Jesus nicht gut verlaufen waren. Pilatus hat vielleicht etwas naiv gedacht, die aufgebrachte Menge würde ihn befreien. Die Menge aber war wütend durch die wilden Anschuldigungen der eifersüchtigen Hohenpriester und Ältesten und sie schrien, Jesus solle gekreuzigt werden. Einige von ihnen waren dieselben Leute, die ihm erst, Wochen zuvor, überallhin gefolgt waren und Heilung und Hoffnung erhielten.

Jesus stand allein da, verachtet und abgewiesen. Er war kein Verbrecher. Ich wusste das und mein Mann wusste das auch, aber die Dinge waren ausser Kontrolle geraten. Jemand musste eingreifen. Also packte ich einen Diener am Arm und forderte ihn auf, Pilatus zu sagen, er solle mit diesen Vorgängen nichts zu tun haben und ich hätte sehr gelitten, weil ich von Jesus geträumt habe. Aber es war zu spät. Mein Mann gab ihren Forderungen nach. In einem feigen Versuch, sich jeglicher Verantwortung zu entledigen, wusch er sich vor der Menge die Hände und erklärte, er sei unschuldig an Jesu Blut. Ich trat vom Fenster weg und sackte weinend zu Boden. Meine Seele sehnte sich nach diesem mitfühlenden, demütigen Mann, der überall heilt und die Unterdrückten befreit.

Als Jesus am Kreuz hing, wich die strahlende Nachmittagssonne einer bedrohlichen Dunkelheit. Dann, als Jesus nach Luft rang, zitterte die Erde, spalteten sich Steine und zerbrachen Strukturen. Gräber brachen auf und liessen tote Menschen frei, die wieder zum Leben erwachten. Ganz Jerusalem war in die Knie gezwungen worden. Aber nicht lange. Diese schrecklichen Ereignisse reichten nicht aus, um die verblendeten jüdischen Führer aufzuhalten. Sie kletterten über die Trümmer zu Pilatus und verschworen sich mit ihm, um das Grab Jesu abzusichern, damit seine Jünger seinen Körper nicht stehlen und behaupten könnten, er sei von den Toten auferstanden.

Nun sind drei Tage vergangen und die Nachfolger Jesu verkünden tatsächlich, dass er lebt! Sie bestehen darauf, ihn gesehen zu haben! Diejenigen, die von ihren Gräbern zurückgekehrt sind, gehen jetzt durch die Strassen Jerusalems. Ich bin überglücklich und wage nicht, es meinem Mann zu erzählen. Aber ich werde mich nicht ausruhen, bis ich mehr über diesen erstaunlichen Mann Jesus erfahre, der dem Tod trotzt und das ewige Leben verspricht.

von Joyce Catherwood