Jesus: das Brot des Lebens

911 jesus das brot des lebensUngefähr ein Jahr vor jener Nacht, in der Jesus mit seinen Aposteln das Passamahl feierte, das Brot brach und den Kelch reichte, spricht er Worte, die herausfordern, zum Nachdenken führen und Leben verheissen. In Johannes 6,26-51 begegnet uns Jesus nach der Speisung der Fünftausend. Die Menschen suchen ihn, doch Jesus durchschaut ihre Motive: «Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid». Es ist eine schonungslose Offenlegung menschlicher Beweggründe. Sie gilt nicht nur damals. Auch wir sind versucht, Jesus vor allem dort zu suchen, wo er unsere Bedürfnisse stillen könnte.

Jesus lenkt den Blick weg vom Vergänglichen hin zum Ewigen: «Wirkt nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die bleibt zum ewigen Leben». Damit verurteilt er weder die Erfahrung von Hunger noch leibliche Not. Aber er stellt klar: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Unser tiefster Hunger ist geistlicher Natur. Genau hier setzt Jesu Selbstoffenbarung an: «Ich bin das Brot des Lebens». Nicht eine Lehre, nicht ein System, nicht ein religiöses Programm, stehen im Zentrum, sondern eine Person: Jesus Christus.

In seiner Botschaft vom Brot wird deutlich: Glaube ist mehr als blosse Zustimmung. Glaube ist das Werk Gottes, den er uns schenkt. Er zeigt sich im Kommen zu Jesus, im Vertrauen auf ihn und im Bleiben in ihm. Wer von diesem Brot isst, so verheisst Jesus, wird leben. Dieser Anspruch stösst auf Widerstand: «Wie kann er sagen: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist?» Die Frage ist verständlich. Denn Jesus fordert nichts Geringeres als die Hingabe an sich selbst. Er gibt nicht nur etwas. Er gibt sich selbst.

Hier öffnet sich der Horizont zum Abendmahl. Was Jesus in Johannes 6 verheissen hat, wird in Lukas 22,19-20 greifbar: «Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird». Ein Jahr liegt zwischen Verheissung und Erfüllung, zwischen Rede und Handlung, zwischen Anstoss und Hingabe. Am Tisch des Herrn wird sichtbar, was am See Genezareth angekündigt wurde: Das Brot des Lebens ist gebrochenes Brot. Leben, ja ewiges Leben wird durch Hingabe geschenkt.

Für eine christuszentrierte Gemeinde ist das zentral. Wir leben nicht von Erinnerungen an frühere Sättigungen, nicht von religiösen Routinen, sondern von der lebendigen Gemeinschaft mit dem gekreuzigten, auferstandenen und lebendigen Jesus Christus. Das Abendmahl ist keine Wiederholung, sondern Teilhabe. Kein blosses Symbol, sondern Zeichen einer tiefen geistlichen Wahrheit: «Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit» (Kol 1,27).

In einer Zeit spiritueller Angebote und religiöser Selbstbedienung ruft uns Jesus zurück zum Wesentlichen. Er ist das Brot vom Himmel. Wer ihn empfängt, empfängt Leben. Wer von ihm lebt, wird gesandt, selbst Brot zu werden – gebrochen für andere, genährt von seiner Gnade.

von Toni Püntener


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