Gnade die beste Lehrerin

548 gnade die beste lehrerinEchte Gnade schockiert, ist skandalös. Gnade entschuldigt die Sünde nicht, aber sie nimmt den Sünder an. Es gehört zum Wesen der Gnade, dass wir sie nicht verdienen. Die Gnade Gottes verändert unser Leben und ist das, was der christliche Glaube ausmacht. Viele Menschen, die mit der Gnade Gottes in Kontakt kommen, haben Angst davor, nicht mehr unter dem Gesetz zu sein. Sie denken, dies würde sie zum mehr Sündigen verleiten. Paulus wurde mit dieser Sichtweise konfrontiert und reagierte: «Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne!» (Röm 6,15).

Kürzlich habe ich von einer Geschichte gehört, die mich an Gottes Gnade und deren Folgen denken liess. Eines Morgens ging ein Vater mit seinem Sohn in die Stadt. Sie lebten auf einer Farm 40 km nördlich von Durban, in Südafrika. Der Vater wollte das Auto warten lassen und Arbeiten auf der anderen Seite der Stadt erledigen. Als sie in der Stadt ankamen, verliess der Vater seinen Sohn, um seine Geschäfte machen zu können. Er wies seinen Sohn an, das Auto in die Garage zu fahren, in der er den Service gebucht hatte. Er sollte zurück zu seinem Vater fahren, nachdem die Werkstatt das Auto gewartet hatte, um nachher nach Hause zurückzukehren.

Der Sohn fuhr mit dem Auto zur Garage und am frühen Nachmittag war das Auto abholbereit. Er sah auf die Uhr und dachte, er würde sich im Kino um die Ecke einen Film ansehen, bevor er seinen Vater abholte. Leider war dieser Streifen einer dieser epischen Filme, die zweieinhalb Stunden liefen. Als er herauskam, ging die Sonne unter.
Auf der anderen Seite der Stadt machte sich sein Vater Sorgen. Er rief in der Garage an, um sich nach dem Aufenthaltsort seines Sohnes zu erkundigen. Er erfuhr, dass der Sohn einige Stunden zuvor mit dem Auto losgefahren sei (das war in den Tagen vor dem Handy). Als es dunkel wurde, kam der Sohn, um seinen Vater abzuholen.

Wo warst du? Fragte der Vater. Da der Sohn nicht wusste, dass sein Vater bereits in der Garage angerufen hatte, antwortete er: «Sie haben in der Garage etwas länger gebraucht. Als ich dort ankam, waren sie bereits mit anderen Autos beschäftigt. Sie haben später angefangen, an unserem Auto zu arbeiten». Er sagte dies mit einem so ernsten Gesicht, dass sein Vater diese Lüge geglaubt hätte, wenn er die Wahrheit nicht gewusst hätte.
Mit einem traurigen Gesicht sagte der Vater: «Mein Sohn, warum lügst du mich an? Ich habe die Garage angerufen und sie haben mir gesagt, dass du vor einigen Stunden gegangen bist. Ich habe dich zu einem ehrlichen Mann erzogen. Es scheint, dass ich darin offensichtlich versagte. Jetzt werde ich zu Fuss nach Hause laufen und versuche herauszufinden, was ich in meiner Erziehung falsch gemacht habe, was dich dazu bewogen hat, mich so anzulügen».

Mit diesen Worten drehte er sich um und ging 40 km zu Fuss nach Hause! Der junge Mann stand da und wusste nicht, was er sagen oder tun sollte. Als er zur Besinnung kam, beschloss er, langsam hinter seinen Vater herzufahren, in der Hoffnung, dass er irgendwann seine Meinung ändern und ins Auto steigen würde. Viele Stunden später ging der Vater ins Haus und der Sohn, der seinem Vater mit dem Auto gefolgt war, ging hin, um das Auto zu parken. «Von diesem Tag an beschloss ich, meinen Vater nie wieder anzulügen», sagte der Sohn, als er diesen Vorfall erzählte.

Die meisten Menschen verstehen nicht, was die Sünde ihnen angetan hat. Wenn sie sich von dem Ausmass bewusstwerden, ist es das Letzte, was sie in ihrem Leben haben wollen.
Ich denke, das ist eine klassische Gnadengeschichte. Der Vater beschloss, seinen Sohn nicht wegen der Lüge zu bestrafen. Er beschloss jedoch, den Schmerz für seinen Sohn auf sich zu nehmen. Das ist Gnade - unverdiente Gunst, Güte, Liebe und Vergebung. Unser Vater im Himmel hat genau das getan. Als die Menschen sündigten, liebte er uns so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn schenkte, damit wir durch den Glauben an ihn vor Sünde und Tod gerettet werden können. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16). Er nahm den Schmerz auf sich. Fördert die Tatsache, dass der Vater mit Geduld antwortet, mehr Lügen und Sünden? Nein! Mit Sünde zu antworten bedeutet nicht zu verstehen, was gerade passiert ist.

«Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben» (Tit 2,11-12). Anstatt uns zu lehren, mehr zu sündigen, lehrt uns die Gnade, Nein zur Sünde zu sagen und ein selbstbeherrschtes, aufrechtes und Gott zugewandtes Leben zu führen!

Wie macht das die Gnade?

Für uns Menschen ist es sehr schwierig, die Auswirkung und den Schmerz, den die Sünde und die Beziehungslosigkeit hervorgebracht hat, zu verstehen. Es ist wie mit einem Drogenabhängigen, dessen Leben durch Drogen zerstört wurde. Wenn der Vater Gnade anbietet und den Sohn aus der Drogenhöhle in die Reha bringt, ist es unvorstellbar, dass der Sohn, sobald er aus der Reha kommt, wieder Drogen nehmen möchte, damit der Vater mehr Gnade zeigen kann. Das ergibt keinen Sinn.

Sobald wir verstanden haben, was der Vater für uns in Jesus Christus getan hat, was Sünde ist und was die Sünde uns angetan hat und was sie uns weiterhin antut, ist unsere Antwort ein klares Nein! Wir können nicht weiter sündigen, damit die Gnade im Überfluss vorhanden ist.

Gnade ist ein wunderschönes Wort. Es ist ein schöner Name und bedeutet die Anmutige oder auch die Gnädige. Meine Schwägerin heisst Grace (Gnade). Jedes Mal, wenn Sie den Namen Grace hören oder lesen, erinnern Sie sich, was er Ihnen beibringen möchte. Denken Sie bitte daran, dass es bei der Gnade nicht nur um „Errettung geht“, sondern auch darum, dass die gnädige, barmherzige Haltung eine Lehrerin ist, die Sie erziehen und belehren möchte!

von Takalani Musekwa