Vom Heiligen Geist erfüllt

927 vom heiligen geist erfuelltEin wesentlicher Faktor, der zum neuen Leben aus der Gnade unerlässlich ist, ist neben dem Wort Gottes der Heilige Geist. Der Heilige Geist wird den Gläubigen am Start ihres Glaubenslebens verliehen, wie uns der Apostel Paulus erklärt: «In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheissen ist» (Eph 1,13).

In uns wohnt also der Heilige Geist! Genauso wie wir uns mit dem Wort Gottes füllen lassen können, so soll auch der Heilige Geist in uns mehr und mehr Raum einnehmen. Die Bibel fordert uns dazu auf, dass wir uns mit dem Heiligen Geist erfüllen lassen sollen. An anderer Stelle heisst es, dass sie (die Gläubigen) mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden (Apg 4,31), obwohl das ja zwei Kapitel vorher schon einmal passiert war (Apg 2,4). Dies ist also kein einmaliges Geschehen, sondern wiederholt sich immer wieder.

Was kann nun von unserer Seite getan werden, damit sich das tatsächlich ereignet? Wir brauchen Gott ja nicht zu überzeugen, uns mit dem Heiligen Geist zu erfüllen, da dies sowieso in seinem guten Plan für uns vorgesehen ist. Eines ist jedoch klar: Der Heilige Geist wird keinen Raum ohne unsere Einwilligung einnehmen. Wir dürfen und sollen ihn hereinbitten: «Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!» (Lk 11,13).

Die Aufforderung und Verheissung steht im Zusammenhang mit dem Gebet für die verschiedensten Dinge. Ich persönlich glaube nicht, dass es darum geht, den Heiligen Geist erst einmal überhaupt zu bekommen, da die Gläubigen ihn ja bereits empfangen haben. Es geht vielmehr darum, ihm alle Räume unseres Lebens zu öffnen und ihn bewusst einzuladen. Dies gilt besonders für die Bereiche, wo wir nicht klarkommen, wo wir hilflos sind und nicht weiterwissen. In solch einer Lage fangen sogar die Menschen an zu beten, die es weniger gewohnt sind. An diesem entscheidenden Punkt hilft uns der Heilige Geist in unserem Gebetsleben, in unserer Kommunikation mit Gott.

Der Heilige Geist wartet darauf, dass wir ihn bitten, die Regie zu übernehmen. Viele Gläubige erleben sich in Bezug auf das Gebet ziemlich hilflos. Sie wissen oft gar nicht, was sie Gott sagen sollen, und fragen sich, wie man denn eigentlich richtig betet. Wie benehme ich mich, sodass Gott mir auch wirklich zuhört? Habe ich da nicht vielleicht etwas Entscheidendes vergessen? Bin ich würdig? Und indem wir so denken, stolpern wir geradewegs in den alten Lebensstil der Leistung und Ungnade hinein!

Falls Sie den Heiligen Geist bisher noch nicht bewusst in Ihr Gebetsleben eingeladen haben, können Sie dies jetzt tun. Er wartet darauf, die Regie zu übernehmen. Es gibt sogar einen speziellen Vers aus der Schrift hierfür: «Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen» (Röm 8,26).

Der Heilige Geist wartet darauf, Ihnen zu helfen, wenn Sie ihn einladen. Er steht für Sie bereit. Manchmal hilft er Ihnen sogar, ohne dass Sie es bemerken. Er ist der Helfer, der Beistand in Ihrem Glaubensleben. Es ist seine ureigenste Tätigkeit. Im griechischen Urtext ist sein Name «Paraklet», was bedeutet: der Beistand, der Tröster, der Auferbauer, der Ermutiger.

Wenn Ihnen die Worte fehlen und Sie nichts sagen können, weil Sie nicht mehr wissen, was Sie sagen sollen, wird der Heilige Geist Ihren Seelenzustand vor Gott ausdrücken und Sie so vertreten, wie es Ihnen entspricht.
Eine weitere Schlüsselaussage zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist finden wir im Epheserbrief: «Und berauscht euch nicht mit Wein - das bringt nur Unheil -, sondern lasst euch erfüllen vom Geist: Lasst in eurer Mitte Psalmen ertönen, Hymnen und geistliche Lieder, singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen, und dankt unserem Gott und Vater allezeit für alle Dinge im Namen unseres Herrn Jesus Christus» (Eph 5,18-20 Zürcher Bibel).

Hier werden wir erneut aufgefordert, uns vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen, wobei das Betrinken mit Alkohol auf der Negativseite als Vergleich herangezogen wird. Mit der Erfüllung durch den Heiligen Geist scheint das aber nun nicht für jeden so klar zu sein. Interessant ist, welche Verben der griechische Urtext im Zusammenhang mit der Erfüllung durch den Heiligen Geist benutzt. Genau genommen sind hier die Tätigkeiten in der Verlaufsform ausgedrückt, was wörtlich folgendermassen lauten würde: Sondern lasst euch redend untereinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern singend und spielend den Herrn in euren Herzen und danksagend Gott, dem Vater … vom Heiligen Geist erfüllen. Die deutsche Sprache kennt eine solche Verlaufsform leider nicht, der griechische Urtext schon und die englische Sprache übrigens auch.

Das heisst also, indem oder während wir diese Dinge ausüben, werden wir vom Heiligen Geist erfüllt. Während wir dies tun, lassen wir den Heiligen Geist seine Arbeit an uns tun. Das ist ein passiver Imperativ, eine Aufforderung der Erwartung, dass er während dieser Zeit der Danksagung und Anbetung sein Werk tut. Wie, das ist ganz seine Sache. Viele Gemeinden haben mittlerweile solche Lobpreiszeiten in ihre Versammlungen integriert. Es ist aber mehr, als eben nur ein paar Lieder als Vorspiel für die Verkündigung zu singen.

Wir sollten uns bewusst machen, dass der Heilige Geist innerhalb solcher Zeiten bevorzugt an uns wirkt und uns auf seine spezifische Art und Weise begegnen will. Die Aufforderung, sich vom Heiligen Geist erfüllen zu lassen, wird von Paulus in diesem Zusammenhang zwar im Plural verwendet, aber ich habe den Eindruck wie auch die Erfahrung gemacht, dass dies genauso für Einzelne gilt, wenn sie sich Gott auf diese Weise zuwenden. Eine weitere Schlüsselaussage zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist finden wir in einem Vers, obwohl er dort namentlich nicht genannt wird: «Auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt» (Eph 3,19).

Das ist aus meiner Sicht eine der herrlichsten Verheissungen in der Schrift. Je tiefer ich die Liebe Christi begreife, je mehr ich mit ihr vertraut werde, je mehr ich sie erfasse, desto mehr werde ich mit der Fülle seines Wesens durchdrungen. Gottesfülle und die Fülle des Heiligen Geistes sind Begriffe, die sozusagen deckungsgleich sind. Es lohnt sich also, Jesus - und hier ganz besonders seine Liebe zu uns - anzuschauen, denn dabei werden wir vom Heiligen Geist verwandelt. Dieses «Betrachten» kann man in seinem Wort tun, im Gebet, in der Meditation oder in der Anbetung. Dieser Vers legt eine Betonung auf den Begriff «erkennen», was mehr als nur das verstandesmässige Erfassen meint, es drückt eine persönliche, intime Beteiligung des ganzen Wesens aus. Es braucht dafür eine Begegnung und Erfahrung mit einem Gegenüber. Paulus ergänzt diese Aussage mit einem Bild, welches uns diesen Vorgang verdeutlicht: «Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist» (2. Kor 3,18).

Hier wird uns also gesagt, dass wir im Anschauen unseres Herrn Jesus Christus in sein Wesen transformiert werden. Unsere Verantwortung ist eben nicht, verzweifelt zu versuchen, uns selbst zum Besseren zu verändern, sondern Jesus, seine Schönheit und Herrlichkeit anzuschauen, dann verändert der Heilige Geist uns - von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Erkennen wir, worum es geht? Es geht nicht um das Drehen um sich selbst, wie gut oder schlecht ich wieder einmal drauf bin, wie ich im Vergleich zu anderen dastehe, was ich mal wieder geschafft oder nicht geschafft habe, sondern die Schau geht in die Vertikale, von oben kommen die göttlichen Lösungen und Antworten.

Wenn wir Jesus und seine unermessliche Liebe für uns beständig anschauen, wird der Heilige Geist uns in den Tiefen unserer Persönlichkeit verändern. Eigene Anstrengungen können vielleicht an der Oberfläche unseres Wesens ein bisschen Symptomkosmetik betreiben, aber letztlich merken wir, wie anstrengend ein Verhalten werden kann, wenn nicht in der Tiefe, an der Wurzel unseres Wesens, echte Veränderung geschehen ist. Eigene Anstrengungen führen in die Scheinheiligkeit, die Transformation durch Gottes Gnade in die Heiligkeit.

Ja, was sollen wir denn dann tun? Irgendwie müssen wir doch weiterkommen und was schaffen, auch in unserer Gemeinde, oder nicht? Lernen Sie, in diesem Sinne ‹skandalös› aus der Gnade zu leben, und richten Sie Ihren Blick nach oben. Egal, was Sie gerade tun oder lassen, lassen Sie sich vom Heiligen Geist immer wieder einen Blick auf Jesus schenken. Er ist da! Er will Sie mit seinen guten Gedanken und seiner Sicht beschenken – umsonst und ohne Hintergedanken.

Lernen Sie, in diesem Sinne «skandalös» aus der Gnade zu leben. Vertrauen Sie darauf, dass der Heilige Geist sein Werk auf seine Weise in Ihnen vollbringt. Sie werden von ihm mehr und mehr in einen neuen Menschen verwandelt und Ihre Transformation fängt an, zuerst vielleicht unmerklich – so wie auch ein Baum nur langsam wächst –, aber kontinuierlich. Manchmal dürfen wir sogar etwas Spürbares oder Hörbares empfangen, was er uns zukommen lässt: durch Sein Wort, durch Seinen Geist oder auch durch andere Menschen. Und wenn etwas dabei ist, was Sie ganz praktisch tun können, dann tun Sie es. Die Betonung des Geistes liegt aber zunächst nicht auf dem Tun, sondern auf dem Sein. Und wenn wir andere Menschen werden, werden wir auch anders handeln.

von Günter Kretz

Dieser Text ist eine gekürzte Fassung aus dem Buch «Skandalös leben – Gnade als Lebensstil entdecken» von Günter Kretz, herausgegeben von GloryWorld-Medien © 2016. Er wird mit Genehmigung des Autors verwendet. Günter Kretz ist Mitglied der Navigatoren, einem internationalen Missionswerk.


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