Leben aus der Gnade Jesu
Der letzte Vers des Neuen Testaments bringt in verdichteter Form zum Ausdruck, worum es im christlichen Glauben geht und was die Botschaft Jesu an die ganze Menschheit ist: «Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!» (Offenbarung 22,21). Die Gnade Jesu lässt sich nicht erarbeiten. Kein Mensch kann sie sich durch eigene Taten, besondere Verdienste oder fromme Leistungen verdienen. Sie ist ein unverdientes Geschenk und Ausdruck der grenzenlosen Liebe Gottes. Diese göttliche Zuwendung ist die Kraft, die Leben verändert: Sie reinigt von Sünde, befähigt uns, als Christinnen und Christen im Alltag zu bestehen und führt uns immer tiefer hinein in eine lebendige, persönliche Beziehung zum dreieinigen Gott.
Der Apostel Johannes beendet den Kanon der Heiligen Schrift mit der Zusage, dass die Gnade Jesu den Menschen jederzeit offensteht. Diese Verheissung ist zugleich Ermutigung und Trost. Denn wir sind Tag für Tag darauf angewiesen, aus dieser Gnade zu leben, wenn unser Charakter dem von Jesus ähnlicher werden soll und wir in Übereinstimmung mit Gottes Willen handeln möchten. Als Menschen, die Jesu Gnade empfangen haben, sind wir zugleich berufen, das Empfangene weiterzugeben. Gottes Liebe will nicht bei uns stehen bleiben. Sie drängt uns dazu, sie durch Mitgefühl und Freundlichkeit zu zeigen, selbst in herausfordernden Situationen: «So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit» (Kolosser 3,12–14). Die Gnade, die wir erfahren, findet ihren Ausdruck in einem neuen Umgang miteinander.
Wenn wir in dieser Gnade unseren Lebensweg gestalten, werden wir zu Verteilenden von Gottes Güte. Wir tragen das Licht Gottes und seine versöhnende Botschaft in unser Arbeitsumfeld, in unsere Familien und Nachbarschaft. Jesus beschreibt das so: «Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen» (Matthäus 5,14–16). Wer aus der Gnade lebt, wird so zu einem sichtbaren Botschafter für den himmlischen Vater.
In unserem täglichen Leben, bei unseren Entscheidungen, Beziehungen und Aufgaben, sollten wir uns stets der Gegenwart seiner Gnade bewusst sein. Sie befähigt uns, die Botschaft der Versöhnung glaubwürdig in Wort und Tat weiterzutragen: «Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!» (2. Korinther 5,18–20).
Gott selbst handelt, und er bezieht uns in dieses Handeln mit ein. Bevor Sie die Bibel schliessen, nachdem Sie die letzten Worte des letzten Verses des letzten Kapitels des letzten Buches gelesen haben, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und über die Bedeutung von Gottes Gnade im eigenen Leben nachzudenken. Wie hat diese Gnade Ihren Weg als Christin oder Christ geprägt? In welchen Situationen hat sie Sie getragen, korrigiert oder neu ausgerichtet? Und in welcher Weise können Sie diese Liebe konkret an andere Menschen weitergeben?
Danken und loben wir unseren Schöpfer für seine Liebe und seine Gnade. Danken wir ihm, dass er uns gnädig begegnet ist, als wir noch seine Feinde waren. Als Empfängerinnen und Empfänger der Gnade Gottes in Christus haben wir nicht nur Anteil an der Liebe und am Leben des Vaters durch den Sohn im Heiligen Geist, sondern zugleich an Gottes Auftrag in dieser Welt. Der Zeitpunkt, an dem Jesus mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird, ist uns verborgen; weder die Engel noch wir kennen ihn. Klar ist nur: Er wird wiederkommen. «Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. – Amen, komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!» (Offenbarung 22,20-21).
Bis zu diesem Tag wollen wir uns darauf konzentrieren, dass die Liebe Gottes, die durch Jesus Christus in uns wohnt, für unsere Mitmenschen sichtbar wird. Wir nehmen Gottes Gnade dankbar an, entscheiden uns, aus ihr zu leben, und vertrauen voller Hoffnung auf Jesu Wiederkunft.
von Barry Robinson