Das liebe ich an Jesus

486 das liebe ich an jesusWenn ich gefragt werde, warum ich Jesus liebe, dann ist die biblisch korrekte Antwort: „Ich liebe Jesus, weil er mich zuerst geliebt hat und weil er bereit war, alles für mich zu geben (1. Joh 4,19). Deswegen liebe ich Jesus als ganze Person, nicht nur Teile oder Aspekte von ihm. Meine Frau liebe ich auch nicht nur wegen ihrem Lächeln, ihrer Nase oder ihrer Geduld.

Wenn man eine Person ganz liebt, hat man auch schnell eine lange Liste zur Hand, was sie ganz speziell anziehend macht. Ich liebe Jesus, weil ich ohne ihn gar nicht da wäre. Ich liebe Jesus, weil er mich nie im Stich lässt. Ich liebe Jesus, weil, weil . . .

Aber die Frage ist ja wohl, ob es nicht eine ganz spezielle Sache an Jesus gibt, die mir sehr viel bedeutet, wenn ich verliebt an ihn denke!? Und tatsächlich – es gibt sie: „Ich liebe Jesus über alles, weil seine Vergebung bewirkt, dass ich anderen Menschen nicht mehr ein geschöntes Bild von mir vermitteln muss, sondern offen zu meinen Schwächen, Fehlern, ja Sünden stehen kann“.

Jesus nachzufolgen ist für mich vor allen Dingen eine praktische Angelegenheit. Gerade da kommt die Vergebung der Sünden, die Jesus bewirkt hat, ins Spiel. Ich finde es grossartig, nicht ständig allen beweisen zu müssen, dass ich fehlerlos und perfekt bin. Dieses vorgetäuschte Leben macht mich seelisch kaputt. Das ewige Basteln an meinen Masken und die ständigen Vertuschungsmanöver kosten Zeit und Nerven und funktionieren am Ende meist doch nicht.

Jesus ist am Kreuz stellvertretend für meine Sünden und Fehler gestorben. Wenn meine Fehler schon vergeben sind, muss es mir viel leichter fallen, zuzugeben, wer ich wirklich bin.

Das Ganze verstehe ich nicht als Freibrief von Jesus, extra viele Fehler zu machen oder kräftig in puncto Sünde aufs Gas zu treten. Vergebung räumt nicht nur mit der Vergangenheit auf. Sie gibt auch die Kraft, tatsächlich etwas zu ändern. Diese Kraft wird nicht nur in der Bibel als Folge der Vergebung beschrieben, sondern krempelt mich auch tatsächlich um. Bei mir gibt es jedenfalls genug zu ändern. Entscheidend für meine Beziehung zu Jesus ist, dass mein Glaube mit meiner Selbstkritik beginnt. In der Bibel beginnt Glaube mit der Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit und Schwachheit. Sie kritisiert nicht nur die Ungläubigen und die böse Welt, sondern auch die Gläubigen. Ganze Bücher des Alten Testamentes widmen sich dem schonungslosen Offenlegen der Zustände unter dem Volk Israel. Ganze Bücher des Neuen Testamentes legen die schlimme Situation in christlichen Gemeinden bloss.

Jesus macht sie frei für Selbstkritik. Sie können endlich ihre Maske fallen lassen und sein, wie sie sind. Welch eine Erleichterung!

von Thomas Schirrmacher


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