Licht und Herrlichkeit
Zur Zeit der Geburt Jesu vor mehr als 2000 Jahren lebte in Jerusalem ein gottesfürchtiger Mann namens Simeon. Vom Heiligen Geist hatte er die Verheissung erhalten, er werde nicht sterben, bevor seine Augen den Christus des Herrn gesehen hätten. Die Verheissung erfüllte sich: «Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz» (Lukas 2,27).
Als Simeon das Kind sah, nahm er Jesus in seine Arme und lobte Gott. In diesem Moment erkannte er, dass sich Gottes Zusage erfüllt hatte: «Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel» (Lukas 2,29–32).
Simeon erkannte: Jesus kam nicht nur als Messias zur Ehre Israels auf die Erde, sondern um seinen Vater durch ihn sichtbar zu machen und seine grenzenlose Gnade und Liebe allen Menschen zu offenbaren. Schon der Prophet Jesaja hatte diese weltweite Dimension des Heils angekündigt: «Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde» (Jesaja 49,6).
Israel ist und bleibt das von Gott erwählte Volk. Gott hat es aus allen Völkern herausgerufen und durch seinen Bund als sein besonderes Eigentum abgesondert. Der Messias Israels ist nicht nur zur Rettung Israels gekommen, sondern zum Heil für alle Völker. Darin liegt die Tiefe des Lobes, das Simeon anstimmt und das viele Schriftgelehrte, Pharisäer und Gesetzeslehrer in seiner Zeit nicht verstanden. Auch hier kündigte Jesaja dies an: «Ich, der Herr, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker» (Jesaja 42,6–7).
Jesus Christus bringt Versöhnung mit Gott für die ganze Schöpfung – für alle Sünder, ganz gleich, wo sie leben, und sogar für die Feinde Gottes. Paulus fasst dies so zusammen: «Denn es hat Gott gefallen, alle Fülle in ihm (Jesus) wohnen zu lassen und durch ihn alles zu versöhnen zu ihm hin, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz» (Kolosser 1,19–20).
In Christus haben wir Frieden mit Gott. Unsere Erlösung hängt darum nicht von unserer eigenen Leistung ab. Die Last der Sünde liegt nicht auf unseren Schultern, weil Christus sie getragen hat. Aus seiner unerschütterlichen Liebe heraus lädt er uns ein, ihm alles anzuvertrauen, was uns beschwert: die Schuld unserer Vergangenheit, unsere Ängste und Schmerzen, unsere Enttäuschungen und unsere inneren Konflikte, auch unseren Zweifel. In seiner bedingungslosen Gnade schenkt er uns ein neues Leben und einen neuen Anfang. Der Bericht über Simeon schliesst mit einem Hinweis auf das weitere Leben Jesu: «Als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. Das Kind aber (Jesus) wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm» (Lukas 2,39-40).
von Joseph Tkach