Pfingsten schenkte Freimut
Nach seiner Auferstehung hatte Jesus sich den Jüngern wiederholt gezeigt und ihnen die Gewissheit gegeben, dass er lebte. Als Jesus wieder einmal bei ihnen war und mit ihnen ass, schärfte er ihnen ein: «Bleibt hier in Jerusalem, bis der Vater euch sendet, was er versprochen hat. Erinnert euch: Ich habe schon mit euch darüber geredet. Johannes hat mit Wasser getauft, doch schon in wenigen Tagen werdet ihr mit dem Heiligen Geist getauft werden» (Apg 1,4-5).
In der Apostelgeschichte lesen wir, dass die Jünger das verheissene Geschenk am Pfingsttag empfingen. Sie wurden mit dem Heiligen Geist getauft, der sie mit Gottes Kraft ausrüstete: «Sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab» (Apg 2,4).
Die Juden verbinden Pfingsten traditionell mit der Übergabe des Gesetzes und dem Bund, der am Berg Sinai mit dem Volk Israel geschlossen wurde. Pfingsten steht im Zeichen des Heiligen Geistes und des Bundes, den Gott mit Menschen aller Nationen geschlossen hat.
Berufen, um Zeugen zu sein
An Pfingsten erinnern wir uns daran, dass Gott uns zu seinem neuen Volk berufen hat: «Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht» (1. Petr 2,9).
Worin besteht der Zweck unserer Berufung? Warum nennt Gott uns ein Volk zum Eigentum? Damit wir mit Freimut seine Wohltaten verkünden. Warum schenkt er uns den Heiligen Geist? Damit wir Zeugen Jesu Christi sind: «Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde» (Apg 1,8).
Der Heilige Geist befähigt uns, das Evangelium zu verkünden und die frohe Botschaft zu verbreiten, dass Menschen durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit sowie durch Christi Opfer in Gottes Reich aufgenommen werden. Gott hat mit uns einen Bund, eine Vereinbarung, geschlossen. Er verheisst uns ewiges Leben. Der Heilige Geist ist dabei das Unterpfand unseres Heils. Gottes Verheissung ist sein Anteil an dieser Vereinbarung. Sie ist geprägt von Gnade, Barmherzigkeit und dem Heiligen Geist: «In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheissen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit» (Eph 1,13–14).
Die Kirche hat den Auftrag, das Evangelium zu predigen und die Menschen über die Erlösung zu unterweisen, die durch das Opfer Christi für uns erkauft wurde: «So steht's geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Busse zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern. Von Jerusalem an seid ihr dafür Zeugen» (Lk 24,46-48).
Der Auftrag der Kirche ist Teil dessen, was uns der Pfingsttag vor Augen führt. An Pfingsten feiern wir den eindrucksvollen Beginn der neutestamentlichen Kirche. Zugleich denken wir an unsere geistliche Aufnahme in die Familie Gottes, an die ständige Erneuerung sowie an die Kraft und den Mut, die Gott uns durch den Heiligen Geist schenkt. Pfingsten erinnert uns daran, dass der Heilige Geist die Kirche in der Wahrheit leitet und Gottes Volk führt, inspiriert und ausrüstet, damit wir «dem Bild seines Sohnes gleich werden, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern» (Röm 8,29).
Wir begehen diesen Tag im Gedenken an den Heiligen Geist, den wir gemeinsam zu unterschiedlichen Zeiten empfangen haben. Die Kirche existiert, um die Wohltaten Jesu Christi zu verkünden und die Botschaft der Versöhnung zu verbreiten: «Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!» (2. Kor 5,18–20).
Wir Christen haben diesen Auftrag, bei dem der Heilige Geist uns Kraft gibt. Er ermutigt uns, den Herrn Jesus Christus bekannt zu machen und die Botschaft der Versöhnung durch den Glauben an seinen Namen in die Welt weiterzutragen.
Die geistliche Ernte
Pfingsten war ursprünglich ein Erntefest. Die Kirche ist auch heute an einer geistlichen Ernte beteiligt. Die Frucht oder das Ergebnis des Auftrags der Kirche ist die Verbreitung des Evangeliums und die Verkündigung der Rettung der Menschen durch Jesus: «Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder: sie sind schon reif zur Ernte», sagte Jesus zu seinen Jüngern, als sie in Samaria waren. Schon hier sprach Jesus von einer geistlichen Ernte, bei der den Menschen das ewige Leben geschenkt wird: «Wer erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass sich miteinander freuen, der da sät und der da erntet» (Joh 4,35-36).
Bei einer anderen Gelegenheit sah Jesus die Menschenmenge und sagte zu seinen Jüngern: «Die Ernte ist gross, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende» (Mt 9,37-38). Wir danken Gott und bitten ihn, uns zu helfen, die Menschen um uns herum zu sehen, die bereit für die geistliche Ernte sind. Wir bitten um mehr Arbeiter, weil wir uns von Herzen wünschen, dass mehr Menschen an Gottes geistlichem Segen teilhaben. Wir sehnen uns danach, dass das Volk Gottes die Wohltaten dessen verkündet, der uns gerettet hat.
«Meine Speise», sagte Jesus, «ist die, dass ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk» (Joh 4,34). Das war sein Leben, seine Nahrung und seine Kraft. Er ist die Quelle unseres Lebens. Er ist unser Brot, das Brot des ewigen Lebens. Unsere geistliche Nahrung besteht darin, seinen Willen zu tun und sein Werk weiterzuführen. Dieses Werk ist das Evangelium. Wir sollen in Jesu Fussstapfen treten und seine Lebensweise sichtbar machen, während er in uns lebt. Wir sollen ihm erlauben, seine Ziele in unserem Leben zu verwirklichen und zu seiner Ehre zu leben.
Botschaft der frühen Kirche
Die frühe Kirche verkündigte immer wieder dieselbe zentrale Botschaft: Jesus Christus ist Retter, Erlöser, Richter und König. Selbst Kornelius, ein römischer Hauptmann, kannte diese Botschaft bereits. Petrus sagte zu ihm: «Ihr kennt die rettende Botschaft, die Gott dem Volk Israel verkünden liess: Er hat durch Jesus Christus Frieden gebracht, und Christus ist ja der Herr über alle!» (Apg 10,36).
Petrus predigte weiter das Evangelium, sprach von Jesu Kreuzigung und Auferstehung und fasste anschliessend den Auftrag der Gemeinde zusammen: «Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem» (Apg 10, 37-39).
Petrus fuhr fort, das Evangelium zu predigen, und fasste den Auftrag der Gemeinde zusammen: «Er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen» (Apg 10, 42-43).
Darum predigen wir von Erlösung, Gnade und Jesus Christus. Er ist der grösste Segen, den wir je erfahren haben. Die Wahrheit über unsere Errettung ist so bewegend, dass wir sie mit unseren Mitmenschen teilen möchten, damit auch sie sich über denselben Segen freuen können. Als die Gemeinde wegen der Verkündigung der Botschaft von Jesus verfolgt wurde, betete sie um Freimut, damit sie noch mehr predigen konnte: «Als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut» (Apg 4,31). Der Heilige Geist wurde ihnen gegeben, damit sie Christus in Freiheit verkündigen konnten.
Für jeden Christen
Nachdem Stephanus gesteinigt worden war, weil er von Jesus Christus gepredigt hatte, kam eine grosse Verfolgung über die Urgemeinde, die eine noch grössere Auswirkung hatte. Alle ausser den Aposteln flohen aus Jerusalem. Überall, wohin sie sich zerstreuten, redeten sie das Wort und predigten sie das Evangelium von Jesus Christus: «Die aber zerstreut waren wegen der Verfolgung, die sich wegen Stephanus erhob, gingen bis nach Phönizien und Zypern und Antiochia und verkündigten das Wort niemandem als allein den Juden. Es waren aber einige unter ihnen, Männer aus Zypern und Kyrene, die kamen nach Antiochia und redeten auch zu den Griechen und predigten das Evangelium vom Herrn Jesus» (Apg 11,19-20).
Viele christliche Männer und Frauen flohen aus Jerusalem, wegen ihres Glaubens an Jesus Christus. Sie wurden gefragt, warum sie Jerusalem verlassen hatten. Ohne Zweifel sagten sie es allen, die danach fragten. Sie liessen sich nicht zum Schweigen bringen, selbst wenn ihr Leben bedroht war. Es spielte keine Rolle, ob sie Älteste oder Gemeindeglieder waren. Jeder von ihnen legte Zeugnis für Jesus Christus ab. Der Geist wurde nicht nur den Aposteln oder der neu gegründeten Gemeinde als Ganzes gegeben. Jeder Mensch, der an Jesus glaubt, hat den Heiligen Geist empfangen. Jeder von uns soll ein lebendiges Zeugnis für Jesus Christus sein, weil unsere Hoffnung auf Christus gegründet ist. Jeder von uns hat die Möglichkeit, eine ermutigende Antwort auf die Frage nach unserer Hoffnung zu geben. Das ist die Frucht des Heiligen Geistes und die geistliche Ernte, die an Pfingsten ihren Anfang nahm. Derselbe Heilige Geist, der damals die Jünger leitete zum Zeugnis aller Völker, führt auch heute die Kirche. Auch Sie dürfen um diesen Freimut bitten, um ein Zeuge Jesu Christi zu sein.
von Joseph Tkach
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