Saat, Ernte und Glauben

ErnteDer Super-Bowl-Werbespot «Also schuf Gott den Bauern» hat mich zu Tränen gerührt. Die Bilder weckten starke Erinnerungen an meinen Vater, der als Bauer arbeitete. Unsere Familie lebte, wie viele andere Bauernfamilien, von dem, was die Felder hergaben. Mit einer grossen Kinderschar und der Verantwortung für den ganzen Haushalt war es eine gewaltige Aufgabe, alle zu ernähren und über die Runden zu bringen.

Mein Vater nahm regelmässig Kredite bei der Bank auf, um Saatgut, Dünger und andere wichtige Dinge für die Pflanzzeit zu erwerben. Sobald es an die Arbeit auf dem Hof ging, stellte sich die nächste Herausforderung: Werkzeuge mussten repariert oder ersetzt werden, Maschinen instand gesetzt und Ställe ausgebessert werden. Auch dafür suchte mein Vater finanzielle Hilfe bei der Bank.

In seinem Herzen trug er den Traum von einer guten Ernte. Mit grosser Sorgfalt bestellte er die Felder, bearbeitete den Boden, setzte das Saatgut in die Erde und kümmerte sich geduldig um die zarten Pflänzchen, bis sie erntereif waren. Seine Überlegungen kreisten immer um dieselben Fragen: Was braucht meine Familie, um den Winter zu überstehen? Wie viel muss ich der Bank zurückzahlen? Wird etwas übrig bleiben, um vielleicht kleine Wünsche zu erfüllen? Dann hiess es warten auf den Regen, auf Sonnentage und auf das stetige Wachsen der Früchte und Pflanzen. Manche Jahre bescherten eine reiche Ernte mit grossem Ertrag, während andere Jahre karg waren.

Während der Sommermonate wurde die Ernte eingebracht, sortiert und anschliessend zum Markt gebracht. Diese Zeit war für uns Kinder von grosser Bedeutung, da die Einnahmen zur Finanzierung unserer Schulkleidung verwendet wurden. Gleichzeitig wurden Obst und Gemüse eingekocht und in Gläsern eingemacht, damit wir im langen Winter ausreichend versorgt waren. Niemand blieb von der Arbeit verschont. Wir alle waren spätestens bei Sonnenaufgang wach, assen gemeinsam ein kräftiges Frühstück und machten uns anschliessend auf den Weg zu den Feldern.

Im Herbst wurde der Rest der Ernte eingefahren und verkauft. Von diesem Erlös beglich mein Vater die Schulden bei der Bank. Allmählich verbrachten wir unsere Tage mehr im Haus als im Freien und legten die Vorräte für die Familie an: Kartoffeln wurden gewaschen, Erbsen getrocknet und Korn eingelagert. In diesen stilleren Monaten beteten wir darum, den harten Winter gut zu überstehen und hofften, dass unsere Vorräte bis zur nächsten Ernte ausreichen würden.

Das vollständige Vertrauen der Bauern, von einem Jahr zum nächsten zu leben, ist bis heute eindrücklich und bewegend. Sie arbeiten, säen, pflegen und ernten. Das eigentliche Wachsen jedoch liegt in Gottes Händen: «Jesus sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiss nicht wie. Von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht reif ist, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da» (Markus 4,26–29).

Es gab ertragreiche Zeiten und es gab Jahre, in denen Trockenheit und Überschwemmungen die Ernte vernichteten. Mein Vater war mit seinem Blick auf Gott ausgerichtet, von dem er seine tägliche Nahrung erwartete. Im Innersten wusste er, dass nicht die Bank, nicht das Wetter und nicht der Markt die letzte Sicherheit darstellten, sondern Gott selbst, der wahre Versorger seines Lebens.

von Lila Millhuff


Erntedankfest

Der richtige Zeitpunkt