Wirst du mir helfen?
Der Morgen war warm, und ich ging früh hinaus, um das Unkraut um unseren von Hand gegrabenen kleinen Teich zu jäten. Da war er, unser Habicht, wie wir ihn nannten. Aber diesmal ruhte er nicht wie üblich auf dem Strommast über unseren Köpfen, sondern sass auf dem Boden in der Nähe des Teiches. Er flog nicht wie sonst weg, sondern blieb einfach sitzen. Ist er erschöpft, fragte ich mich. Dann bemerkte ich, dass sein rechter Flügel nicht richtig sass. Er war verletzt. Während ich jätete und überlegte, was ich tun sollte, starrte er mich an, als wollte er sagen: Wirst du mir helfen? Ich hatte das Gefühl, als käme er hinter mich und klopfte mir auf die Schulter.
Meine Tochter rief die nächstgelegene Auffangstation für Tiere an, aber sie waren unterbesetzt, um jemanden zu schicken. Wir machten ein Foto von ihm und schickten es ihnen. Sie sagten, es sei ein Swainson-Habicht. Er versuchte nicht zu fliehen und bald hatten wir ihn sicher in einer Kiste. Wir machten uns auf den Weg zur Auffangstation. Wir erfuhren, dass der Bruch seines Flügels zu schlimm war und ihm nicht geholfen werden konnte. Ich fühlte sofort grosse Traurigkeit. Manche mögen sagen, es ist ja nur ein Vogel. Spatzen waren sehr günstig, galten als kaum wertvoll. Dennoch ist ihr Schicksal Gott bekannt: «Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater» (Mt 10,29).
Gott ist sich all dessen bewusst, was um uns und mit uns geschieht. Gott schätzt uns sehr und liebt uns und seine Schöpfung zutiefst. Ich habe jetzt das Gefühl, dass es nicht der Habicht war, der mir auf die Schulter klopfte und um Hilfe bat, sondern Gott, der fragte, ob ich bereit war. Wenn wir die Gebrochenen und Verwundeten um uns herum sehen, sind wir bereit, diesen Schritt zu tun und diese Person zum Heiler zu bringen? Wir müssen sie vielleicht physisch aufheben oder sie einfach im Gebet stützen. Wenn wir anderen helfen, tun wir es auch für Christus: «Wahrlich, ich sage euch, was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan» (Mt 25,40).
Es ist eine Erleichterung zu wissen, dass wir nicht für die Errettung anderer Menschen verantwortlich sind, aber wir sind dafür verantwortlich, ihnen von der Liebe Gottes zu erzählen. Paulus erklärt: «Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben. So ist nun weder der etwas, der pflanzt, noch der begiesst, sondern Gott, der das Gedeihen gibt» (1. Kor 3,6-7).
Jesus wird von da an die Verantwortung übernehmen. Die Menschen, die wir sehen, die gebrochen sind, so wie wir es einst waren, sind Gottes geliebte Kinder. Vielleicht haben Sie gelegentlich das Gefühl, dass Gott Ihnen auf die Schulter klopft und fragt, ob Sie etwas tun werden. Möge er weiter klopfen, bis wir den Hinweis verstehen.
von Anne Gillam
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