Lassen Sie Gott sein, wie er ist

462 lassen sie gott sein wie er istAn alle unter uns, die Kinder haben, stelle ich ein paar Fragen. „War ihr Kind schon mal ungehorsam Ihnen gegenüber?“ Wenn Sie mit Ja geantwortet haben, wie alle andern Eltern auch, kommen wir zur zweiten Frage: „Haben Sie Ihr Kind schon einmal wegen Ungehorsam bestraft?“ Wie lange hat die Strafe angedauert? Noch deutlicher gesagt: „Haben Sie ihrem Kind erklärt, die Bestrafung wird kein Ende haben?“ Das klingt doch verrückt, nicht wahr?

Wir, die wir schwache und unvollkommene Eltern sind, vergeben unseren Kindern, wenn sie ungehorsam waren. Es gibt Situationen, in denen wir für ein Vergehen, wenn wir es in einer Situation für angebracht halten, eine Bestrafung aussprechen. Ich frage mich, wie viele von uns es für richtig halten, ihre eigenen Kinder für den Rest ihres Lebens zu bestrafen?

Einige Christen wollen uns glauben machen, dass Gott, unser himmlischer Vater, der weder schwach noch unvollkommen ist, Menschen für immer und ewig bestraft, auch solche, die noch nie etwas von Jesus gehört haben. Dabei sprechen sie, Gott, sei voller Gnade und Barmherzigkeit.

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, hierüber nachzudenken, da eine grosse Lücke zwischen dem klafft, was wir von Jesus lernen und dem, was einige Christen über die ewige Verdammnis glauben. Ein Beispiel: Jesus gebietet uns, unsere Feinde zu lieben und sogar denen Gutes zu tun, die uns hassen und verfolgen. Einige Christen glauben, dass Gott nicht nur seine Feinde hasst, sondern sie buchstäblich in der Hölle schmoren lässt und das erbarmungslos und unnachgiebig bis in alle Ewigkeit.

Andererseits betete Jesus für die Soldaten, die ihn kreuzigten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Einige Christen lehren, dass Gott nur wenigen vergibt, die er schon vor der Erschaffung der Welt vorherbestimmt hatte, ihnen zu vergeben. Wenn das wahr wäre, dann hätte Jesu Gebet nicht einen derart grossen Unterschied ausgemacht, nicht wahr?  

Eine schwere Last

Ein christlicher Jugendleiter erzählte einer Gruppe von Teenagern eine morbide Geschichte über eine Begegnung mit einem Mann. Er selbst habe sich gedrängt gefühlt, diesem Mann das Evangelium zu verkünden, es jedoch während ihres Gespräches unterlassen. Später habe er erfahren, der Mann sei durch einen Verkehrsunfall noch am selben Tag gestorben. „Dieser Mann ist jetzt in der Hölle“, erzählte er den jungen, mit grossen Augen starrenden christlichen Teenagern, „wo er unbeschreibliche Qualen erleide“. Dann, nach einer dramaturgischen Pause, fügte er hinzu: „und das lastet jetzt auf meinen Schultern“. Er berichtete ihnen von seinen Albträumen, die er wegen seines Versäumnisses hat. Er liege weinend im Bett, angesichts der schrecklichen Vorstellung, dass dieser arme Mann für immer die Tortur des Höllenfeuers erleiden muss.

Ich frage mich, wie es einigen Leuten gelingt, ihren Glauben so geschickt in Einklang zu bringen, dass sie einerseits glauben, Gott liebe die Welt so sehr, dass er Jesus sandte, damit sie gerettet werde. Andererseits glauben sie (mit einem verkümmerten Glauben), dass Gott so erschreckend ungeschickt sei, Menschen zu retten und sie aufgrund unserer Inkompetenz in die Hölle schicken müsse. „Man ist gerettet durch Gnade, nicht durch Werke“, sagen sie und das ist richtig so. Sie haben die dem Evangelium entgegengesetzte Vorstellung, das ewige Schicksal der Menschen sei abhängig vom Erfolg oder Misserfolg unserer Evangelisationsarbeit.

Jesus ist der Erretter, Heiland und Erlöser!

So sehr wir Menschen auch unsere Kinder lieben, um wie viel mehr werden sie von Gott geliebt? Das ist eine rhetorische Frage – Gott liebt sie unendlich mehr, als wir es je vermögen.

Jesus sagte: „Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? … Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11,11 u. 13).

Die Wahrheit ist genauso, wie es uns Johannes berichtet: Gott liebt die Welt wirklich. „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde“ (Johannes 3,16-17).

Die Errettung dieser Welt - eine Welt, die Gott so sehr liebt, dass er seinen Sohn sandte, um sie zu retten – hängt von Gott ab und nur von Gott allein. Wenn die Errettung von uns ahängig wäre und unserem Erfolg, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, dann gäbe es wirklich ein grosses Problem. Es hängt jedoch nicht von uns ab, sondern allein von Gott. Gott sandte Jesus, um diese Aufgabe auszuführen, uns zu retten und er hat sie erfüllt.

Jesus sagte: „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage“ (Johannes 6,40).

Zu erretten ist Gottes Angelegenheit, und der Vater, der Sohn und der Heilige Geist machen das wirklich gut. Es ist ein Segen, am guten Werk der Evangelisation beteiligt zu sein. Wir sollten uns aber auch im Klaren sein, dass Gott oft trotz unserer Unfähigkeit wirkt.

Haben sie sich die Last eines schlechten Gewissens aufgeladen, weil Sie es nicht geschafft haben, einer Person das Evangelium zu verkündigen? Geben Sie die Last an Jesus weiter! Gott ist nicht ungeschickt. Niemand rutscht ihm durch die Finger und muss ihretwegen in die Hölle kommen. Unser Gott ist gut und barmherzig und mächtig. Sie können ihm vertrauen, dass er sich auf diese Weise für Sie und für alle Menschen einsetzt.

von Michael Feazell


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