Wahre Nahrung für die Seele
Jesus sprach zu einer Menschenmenge, die einige Tage zuvor auf wundersame Weise mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen satt geworden war. Diese Menschen waren ihm nachgefolgt und hofften, er würde ihnen nochmals etwas zu essen geben. Jesus erinnerte sie an das Manna, eine weitere besondere Nahrungsquelle, die schon ihre Vorfahren nur für eine begrenzte Zeit am Leben erhalten hatte. Ihren körperlichen Hunger nahm er zum Anlass, ihnen eine geistliche Wahrheit zu vermitteln: «Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt» (Johannes 6,48-51).
Jesus ist das Brot des Lebens, das lebendige Brot. Er vergleicht sich mit der aussergewöhnlichen Versorgung der Israeliten und mit dem wunderbaren Brot, das auch jene Menschen selbst gegessen hatten. Jesus machte ihnen deutlich, dass sie ihn suchen und an ihn glauben sollten, damit sie durch ihn ewiges Leben empfangen, statt ihm nur in der Erwartung einer weiteren wundersamen Mahlzeit zu folgen. Die Bildsprache von Brot und Fleisch war ihnen nicht unbekannt. Über viele Jahrhunderte hinweg waren zahllose Tiere als Opfer für die Sünden der Menschen dargebracht worden. Nun hörten sie von Jesus, dass das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes der Schlüssel zum ewigen Leben sei: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm» (Johannes 6,53 und 56).
Gerade das Trinken von Blut musste auf Menschen besonders anstössig wirken, denen über lange Zeit beigebracht worden war, dass dies Sünde sei. Jesu Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, war selbst für seine eigenen Jünger schwer zu verstehen. Viele wandten sich damals von ihm ab und folgten ihm nicht länger. Als Jesus die zwölf Jünger fragte, ob auch sie weggehen wollten, antwortete Petrus entschlossen: «Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes» (Johannes 6,68-69).
Vermutlich waren seine Jünger ebenso verwirrt wie die anderen. Beim letzten Abendmahl, als sie zusammenkamen, um das Passalamm zu essen, sprach Jesus erneut vom Essen seines Fleisches und vom Trinken seines Blutes: «Als sie aber assen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach‘s und gab‘s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden» (Matthäus 26,26-28).
Beim Lesen des Johannesevangeliums stelle ich mir die Frage: Wie esse ich Jesu Fleisch und wie trinke ich Jesu Blut? Beim Abendmahl nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: «Nehmet; das ist mein Leib» (Markus 14,22).
Ist die Feier des Abendmahls die Erfüllung von Jesu Aussage, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken? Ich glaube es nicht. Nur durch den Heiligen Geist können wir erfassen, was Jesus für uns getan hat. Jesus sagte, dass er sein Leben, sein Fleisch, für das Leben der Welt geben wird. Aus dem Zusammenhang erkennen wir, dass Essen und Trinken, also Hungern und Dürsten, geistlich das Kommen und Glauben meinen. Denn Jesus sagte: «Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten» (Johannes 6,35).
Alle, die zu Jesus kommen und an ihn glauben, treten in eine einzigartige Gemeinschaft mit ihm ein: «Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm» (Johannes 6,56).
Diese innige Verbundenheit wurde erst nach der Auferstehung Jesu Christi möglich, durch den verheissenen Heiligen Geist: «Der Geist ist‘s, der da lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben» (Johannes 6,63).
Jesus und sein Vater sind auf eine Weise eins, wie kein anderer Mensch dies bis heute erlebt hat. Der erste Adam entschied sich leider dafür, unabhängig von Gott zu leben. Diese selbstgewählte Unabhängigkeit von Gott, diese Sünde des ersten Menschen, zerstörte die innige persönliche Beziehung zu seinem Schöpfer und Gott. Was für eine Tragik für die ganze Menschheit.
Jesus erfüllte den Willen seines Vaters, indem er auf die Erde kam, um uns aus der Gefangenschaft Satans zu befreien. Nichts und niemand konnte ihn davon abbringen, uns Menschen vom Tod zu erlösen. Darum gab er am Kreuz sein göttliches und menschliches Leben für uns hin, leistete Sühne für unsere ganze Schuld und versöhnte uns mit Gott.
Wie Jesus durch den Vater lebte, so sollen auch wir durch ihn leben. Wie lebte Jesus durch den Vater? «Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir aus tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich» (Johannes 8,28).
Wir begegnen dem Herrn Jesus Christus, der in vollkommener und bedingungsloser Abhängigkeit von Gott, dem Vater, lebt. Wir sollen wie die zwölf Jünger zu Jesus kommen, an ihn glauben und seine Vergebung und Liebe annehmen. Mit Dankbarkeit nehmen wir das Geschenk unserer Erlösung an und feiern es. Beim Empfangen erleben wir die Freiheit von Sünde, Schuld und Scham, die uns in Christus geschenkt ist. Darum starb Jesus am Kreuz. Das Ziel für uns ist, dass wir, genau wie Jesus, in dieser Welt ein Leben in der Abhängigkeit von Gott führen und Jesus sein Leben in uns in dieser Welt leben kann.
von Sheila Graham
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