Die Heilige Schrift

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Die Heilige Schrift ist das inspirierte Wort Gottes, das getreue Textzeugnis des Evangeliums und die wahre und genaue Wiedergabe der Offenbarung Gottes an den Menschen. Insofern ist die Heilige Schrift unfehlbar und grundlegend für die Kirche in allen Lehrund Lebensfragen. Woher wissen wir, wer Jesus ist und was Jesus lehrte? Woher wissen wir, ob ein Evangelium echt oder falsch ist? Welche autoritative Grundlage gibt es für Lehre und Leben? Die Bibel ist die eingegebene und unfehlbare Quelle für das, was wir, Gottes Willen gemäss, wissen und tun sollen. (2. Timotheus 3,15-17; 2. Petrus 1,20-21; Johannes 17,17)

Zeugnis für Jesus

Vielleicht haben Sie Zeitungsberichte über das „Jesus-Seminar“ gesehen, eine Gruppe von Gelehrten, die behaupten, dass Jesus die meisten Dinge, die er nach der Bibel gesagt hat, nicht gesagt hat. Oder Sie haben vielleicht von anderen Gelehrten gehört, die behaupten, dass die Bibel eine Sammlung von Widersprüchen und Mythen ist.

Viele Gebildete lehnen die Bibel ab. Andere, ebenso Gebildete halten sie für eine glaubwürdige Chronik dessen, was Gott getan und gesagt hat. Wenn wir dem, was die Bibel über Jesus sagt, nicht trauen können, dann bleibt uns nahezu nichts mehr, was wir über ihn wissen.

Das „Jesus-Seminar“ begann mit einer vorgefassten Meinung darüber, was Jesus gelehrt haben würde. Sie akzeptierten nur noch solche Aussagen, die in dieses Bild passten, und verwarfen alle, die nicht hineinpassten. Dadurch schufen Sie praktisch einen Jesus nach ihrem Bilde. Dies ist wissenschaftlich höchst fragwürdig und sogar viele liberale Wissenschaftler stimmen mit dem „Jesus-Seminar“ nicht überein.

Haben wir guten Grund, die biblischen Berichte über Jesus für glaubwürdig zu halten? Ja – sie wurden im Zeitraum weniger Jahrzehnte nach Jesu Tod verfasst, als Augenzeugen noch lebten. Jüdische Jünger lernten die Worte ihrer Lehrer oft auswendig; so ist es sehr wahrscheinlich, dass auch Jesu Jünger die Lehren ihres Meisters mit hinreichender Genauigkeit überliefert haben. Wir haben keine Beweise dafür, dass sie zur Schlichtung von Streitfragen in der Urkirche, z.B. der Beschneidungsfrage, Worte erfunden hätten. Das spricht dafür, dass ihre Berichte verlässlich das wiedergeben, was Jesus lehrte.

Auch in der Überlieferung der textlichen Quellen dürfen wir von hoher Zuverlässigkeit ausgehen. Wir haben Handschriften aus dem vierten Jahrhundert und kleinere Teile aus dem zweiten. (Die älteste erhaltene Vergil-Handschrift entstand 350 Jahre nach dem Tode des Dichters; bei Plato 1300 Jahre danach.) Ein Vergleich der Handschriften zeigt, dass die Bibel sorgfältig abgeschrieben wurde und wir einen hochgradig zuverlässigen Text haben.

Jesus: Kronzeuge der Schrift

In vielen Fragen war Jesus mit den Pharisäern zu streiten bereit, in einer aber anscheinend nicht: in der Anerkennung des Offenbarungscharakters der Schrift. Über Auslegungen und Traditionen vertrat er oft andere Ansichten, stimmte mit den jüdischen Priestern aber offenbar darin überein, dass die Schrift die autoritative Grundlage für Glauben und Handeln war.

Jesus erwartete, dass jedes Wort der Schrift in Erfüllung ging (Mt 5,17-18; Mk 14,49). Er zitierte aus der Schrift, um eigene Aussagen zu untermauern (Mt 22,29; 26,24; 26,31; Joh 10,34); er tadelte Menschen dafür, dass sie die Schrift nicht genau genug gelesen hatten (Mt 22,29; Lk 24,25; Joh 5,39). Er sprach von alttestamentlichen Personen und Ereignissen ohne die leiseste Andeutung, dass es sie nicht gegeben haben könnte.

Hinter der Schrift stand die Autorität Gottes. Den Versuchungen Satans hielt Jesus entgegen: „Es steht geschrieben“ (Mt 4,4-10). Allein dass etwas in der Schrift stand, machte es für Jesus unanfechtbar autoritativ. Die Worte Davids waren vom Heiligen Geist inspiriert (Mk 12,36); eine Prophezeiung war „durch“ Daniel gegeben worden (Mt 24,15), weil Gott ihr wahrer Ursprung war.

In Matthäus 19,4-5 sagt Jesus, der Erschaffer spreche in 1. Mose 2,24: „Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Die Schöpfungsgeschichte schreibt dieses Wort jedoch nicht Gott zu. Jesus konnte es Gott zuschreiben, einfach deshalb, weil es in der Schrift stand. Zugrunde liegende Annahme: Der eigentliche Verfasser der Schrift ist Gott.

Aus allen Evangelien geht hervor, dass Jesus die Schrift als zuverlässig und vertrauenswürdig betrachtet hat. Den Menschen, die ihn steinigen wollten, hielt er entgegen: „Die Schrift kann doch nicht gebrochen werden“ (Joh 10, 35). Jesus hielt sie für vollgültig; er verteidigte sogar die Gültigkeit der Gebote des Alten Bundes, während der Alte Bund noch in Kraft war (Mt 8,4; 23,23).

Das Zeugnis der Apostel

Wie ihr Lehrer hielten auch die Apostel die Schrift für autoritativ. Sie zitierten sie häufig, oft zur Untermauerung eines Standpunktes. Die Worte der Schrift werden als Worte Gottes behandelt. Die Schrift wird sogar personalisiert als der Gott, der in wörtlicher Rede zu Abraham und zum Pharao sprach (Röm 9,17; Gal 3,8). Was David und Jesaja und Jeremia schrieben, ist eigentlich von Gott gesprochen und deshalb gewiss (Apg 1,16; 4,25; 13,35; 28,25; Hebr 1,6-10; 10,15). Das Gesetz des Mose, so wird unterstellt, reflektiert die Gesinnung Gottes (1Kor 9,9). Der eigentliche Verfasser der Schrift ist Gott (1Kor 6,16; Röm 9,25).

Paulus nennt die Schrift das, „was Gott geredet hat“ (Röm 3,2). Laut Petrus haben die Propheten nicht „aus menschlichem Willen“ gesprochen, „sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet“ (2Pt 1,21). Die Propheten haben es sich nicht selbst einfallen lassen – Gott hat es ihnen eingegeben, er ist der eigentliche Urheber der Worte. Oft schreiben sie: „Und das Wort des Herrn erging…“ oder: „So spricht der Herr…“

An Timotheus schrieb Paulus: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit ...“ (2Tim 3,16, Elberfelder Bibel). Allerdings dürfen wir hier nicht unsere modernen Vorstellungen davon, was „Gott-gehaucht“ bedeutet, hineinlesen. Wir müssen daran denken, dass Paulus die Septuaginta-Übersetzung meinte, die griechische Übersetzung der hebräischen Schriften (das war die Schrift, die Timotheus von Kind auf kannte – Vers 15). Paulus benutzte diese Übersetzung als das Wort Gottes, ohne damit sagen zu wollen, dass es ein vollkommener Text sei.

Trotz der übersetzerischen Diskrepanzen ist er Gott-gehaucht und „zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ nütze und kann bewirken, dass „der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt“ (Vers 16-17).

Kommunikationsmängel

Das ursprüngliche Wort Gottes ist vollkommen und Gott kann durchaus dafür sorgen, dass Menschen es in die richtigen Worte fassen, dass sie es richtig bewahren und (um die Kommunikation zu vervollständigen) dass sie es richtig verstehen. Gott hat dies aber nicht vollständig und lückenlos getan. Unsere Kopien weisen grammatikalische Fehler und Abschreibfehler auf, und (was weit bedeutsamer ist) es gibt Fehler beim Empfang der Botschaft. „Störgeräusche“ verhindern gewissermassen, dass wir das Wort, das er eingab, einwandfrei hören. Dennoch bedient sich Gott der Schrift, um heute zu uns zu sprechen.

Trotz der „Störgeräusche“, trotz der menschlichen Fehler, die sich zwischen uns und Gott schieben, erfüllt die Schrift ihren Sinn: uns vom Heil zu erzählen und vom richtigen Verhalten. Gott erreicht mit der Schrift, was er wollte: Er bringt uns sein Wort mit genügender Klarheit nahe, dass wir das Heil erlangen können und dass wir erfahren können, was er von uns verlangt.

Diesen Zweck erfüllt die Schrift, auch in übersetzter Form. Wir gingen jedoch fehl, erwarteten wir mehr von ihr, als es Gottes Absicht entspricht. Sie ist kein Lehrbuch der Astronomie und Naturwissenschaften. Die Zahlenangaben der Schrift sind nach heutigen Massstäben nicht immer mathematisch exakt. Wir müssen nach dem grossen Zweck der Schrift gehen und uns nicht an Kleinigkeiten festhaken.

Ein Beispiel: In Apostelgeschichte 21,11 wird Agabus eingegeben zu sagen, die Juden würden Paulus binden und ihn den Heiden überantworten. Einige mögen annehmen, dass Agabus spezifizierte, wer Paulus binden und was sie mit ihm tun würden. Aber wie es sich herausstellte, wurde Paulus von den Heiden gerettet und von den Heiden gebunden (V. 30-33).

Ist dies ein Widerspruch? Technisch ja. Die Prophezeiung stimmte im Prinzip, aber nicht in den Details. Natürlich hätte Lukas, als er dies niederschrieb, die Prophezeiung leicht so fälschen können, dass sie dem Resultat entsprach, aber er hat die Unterschiede nicht zu vertuschen gesucht. Er hat nicht erwartet, dass Leser in solchen Details Präzision erwarten. Dies sollte uns davor warnen, in allen Einzelheiten der Schrift Genauigkeit zu erwarten.

Wir müssen den Blick auf den Hauptpunkt der Botschaft richten. In ähnlicher Weise machte Paulus einen Fehler, als er 1. Korinther 1,14 schrieb – ein Fehler, den er in Vers 16 korrigierte. Die inspirierten Schriften enthalten sowohl den Fehler als auch die Korrektur.

Manche Menschen vergleichen die Schrift mit Jesus. Das eine ist das Wort Gottes in menschlicher Sprache; das andere ist das fleischgewordene Wort Gottes. Jesus war vollkommen in dem Sinn, dass er sündenfrei war, doch das heisst ja nicht, dass er nie Fehler machte. Als Kind, sogar als Erwachsener könnte er grammatikalische Fehler und Zimmermannsfehler gemacht haben, aber solche Fehler waren keine Sünden. Sie haben Jesus von der Erfüllung seines Zwecks – sündenloses Opfer für unsere Sünden zu sein – nicht aufgehalten. Analog dazu sind Grammatikfehler und sonstige Geringfügigkeiten dem Sinn der Bibel nicht abträglich: uns hinzuführen auf die Heilserlangung durch Christus.

Beweise für die Bibel

Niemand kann beweisen, dass der gesamte Inhalt der Bibel wahr ist. Man kann vielleicht nachweisen, dass eine bestimmte Prophezeiung eingetroffen ist, aber man kann nicht beweisen, dass die gesamte Bibel dieselbe Gültigkeit hat. Es ist mehr eine Glaubensfrage. Wir sehen die historischen Indizien, dass Jesus und die Apostel das Alte Testament als Wort Gottes betrachteten. Der biblische Jesus ist der einzige, den wir haben; andere Ideen beruhen auf Mutmassungen, nicht neuen Beweisen. Wir akzeptieren die Lehre Jesu, der Heilige Geist werde die Jünger zu neuer Wahrheit leiten. Wir akzeptieren den Anspruch des Paulus, mit göttlicher Vollmacht zu schreiben. Wir akzeptieren, dass die Bibel uns offenbart, wer Gott ist und wie wir Gemeinschaft mit ihm haben können.

Wir akzeptieren das Zeugnis der Kirchengeschichte, dass Christen durch die Jahrhunderte die Bibel als nützlich für Glauben und Leben empfunden haben. Dieses Buch sagt uns, wer Gott ist, was er für uns getan hat und wie wir darauf antworten sollten. Die Tradition sagt uns auch, welche Bücher zum biblischen Kanon gehören. Wir bauen darauf, dass Gott den Kanonisierungsprozess gelenkt hat, so dass das Ergebnis seinem Willen entsprach.

Für die Wahrheit der Schrift spricht auch unsere eigene Erfahrung. Dieses Buch nimmt kein Blatt vor den Mund und führt uns unsere Sündhaftigkeit vor Augen; es bietet uns dann aber auch Gnade und ein geläutertes Gewissen an. Es schenkt uns moralische Kraft nicht durch Regelwerke und Befehle, sondern auf unerwartete Weise – durch Gnade und durch den schmählichen Tod unseres Herrn.

Die Bibel zeugt von der Liebe, der Freude und dem Frieden, die wir durch den Glauben haben können – Gefühle, die, genau wie die Bibel schreibt, unsere Fähigkeit übersteigen, sie in Worte zu fassen. Dieses Buch schenkt uns Bedeutung und Zweck im Leben, indem es uns von der göttlichen Schöpfung und von der Erlösung erzählt. Diese Aspekte der biblischen Vollmacht lassen sich Skeptikern nicht beweisen, aber sie helfen die Schrift beglaubigen, die uns von Dingen berichtet, die wir erfahren.

Die Bibel schönt ihre Helden nicht; auch dies hilft uns, sie als verlässlich zu akzeptieren. Sie erzählt von den menschlichen Schwächen Abrahams, Moses, Davids, des Volkes Israel, der Jünger. Die Bibel ist ein Wort, das Zeugnis ablegt von einem autoritativeren Wort, dem fleischgewordenen Wort und der guten Nachricht von der Gnade Gottes.

Die Bibel ist nicht simplifizierend; sie macht es sich nicht leicht. Das Neue Testament setzt den alten Bund einerseits fort und bricht andererseits mit ihm. Es wäre leichter, auf das eine oder andere ganz zu verzichten, aber es ist anspruchsvoller, beides zu haben. Ähnlich wird Jesus als Mensch und Gott zugleich geschildert, eine Kombination, die weder ins hebräische noch ins griechische noch ins moderne Denken gut passen will. Diese Komplexität wurde nicht durch Unkenntnis der philosophischen Probleme geschaffen, sondern ihnen zum Trotz.

Die Bibel ist ein anspruchsvolles Buch, sie kann kaum von ungebildeten Wüstenbewohnern geschrieben worden sein, die eine Fälschung auf die Beine stellen oder Halluzinationen Sinn geben wollten. Jesu Auferstehung verleiht dem Buch, das ein solches phänomenales Ereignis ankündigt, zusätzliches Gewicht. Sie gibt dem Zeugnis der Jünger, wer Jesus war – und der unerwarteten Logik des Sieges über den Tod durch den Tod des Gottessohnes –, zusätzliches Gewicht.

Wiederholt stellt die Bibel unser Denken über Gott, über uns selbst, über das Leben, über richtig und falsch in Frage. Sie heischt Respekt, weil sie uns Wahrheiten vermittelt, die wir anderswo nicht erlangen. Neben allen theoretischen Überlegungen „rechtfertigt“ sich die Bibel vor allem auch in der Anwendung auf unser Leben.

Das Zeugnis der Schrift, der Tradition, der persönlichen Erfahrung und der Vernunft stützt insgesamt den Autoritätsanspruch der Bibel. Dass sie über Kulturgrenzen hinweg sprechen kann, dass sie Situationen anspricht, die es zur Zeit ihrer Abfassung nicht gab – auch das bezeugt ihre bleibende Autorität. Der beste Bibelbeweis für den Gläubigen jedoch ist, dass der Heilige Geist mit ihrer Hilfe einen Sinneswandel bewirken und das Leben von Grund auf verändern kann.

Michael Morrison


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