Das Weltgericht [ewige Gericht]

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Am Ende des Zeitalters wird Gott alle Lebenden und Toten vor dem himmlischen Thron Christi zum Gericht versammeln. Die Gerechten werden ewige Herrlichkeit empfangen, die Gottlosen Verdammnis im feurigen Pfuhl. In Christus trifft der Herr gnädige und gerechte Vorsorge für alle, auch für jene, die beim Tode anscheinend nicht an das Evangelium geglaubt haben. (Matthäus 25,31-32; Apostelgeschichte 24,15; Johannes 5,28-29; Offenbarung 20,11-15; 1. Timotheus 2,3-6; 2. Petrus 3,9; Apostelgeschichte 10,43; Johannes 12,32; 1. Korinther 15,22-28).

Das Weltgericht

“Das Gericht kommt! Das Gericht kommt! Bereut jetzt, oder ihr werdet in die Hölle kommen.“ Sie mögen einige umherziehende „Strassenevangelisten“ diese Worte haben rufen hören, indem sie versuchten, Menschen Angst einzujagen, eine Verpflichtung zu Christus einzugehen. Oder, Sie mögen eine solche Person mit einem rührseligen Blick in Filmen satirisch dargestellt gesehen haben.

Vielleicht ist das nicht so weit entfernt vom Bild des „ewigen Gerichts“, an das viele Christen über die Jahrhunderte hinweg glaubten, besonders im Mittelalter. Sie können Skulpturen und Gemälde finden, welche die Gerechten darstellen, die schwebend in den Himmel auffahren, um Christus zu begegnen, und die Ungerechten, die von grausamen Dämonen in die Hölle gezerrt werden.

Diese Bilder vom Jüngsten Gericht, das Gericht über das ewige Schicksal, stammen von neutestamentlichen Aussagen über dasselbe. Das Jüngste Gericht ist ein Teil der Lehre von den „letzten Dingen“ – die zukünftige Rückkehr Jesu Christi, die Auferstehung der Gerechten und der Ungerechten, das Ende der gegenwärtigen bösen Welt, die durch das herrliche Reich Gottes ersetzt werden wird.

Die Bibel erklärt, dass das Gericht ein ernstes Ereignis für alle Menschen ist, die gelebt haben wie die Worte Jesu es deutlich machen: „Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden“ (Mt 12,36-37).

Das griechische Wort für „Gericht“, das in den neutestamentlichen Passagen benutzt wird, ist krisis, von dem das Wort „Krise“ abgeleitet wird. Krisis bezieht sich auf eine Zeit und eine Situation, wenn eine Entscheidung für oder gegen jemanden ausgeführt wird. In diesem Sinne ist eine Krise ein Punkt im Leben eines Menschen oder der Welt. Ganz spezifisch bezieht sich Krisis auf die Aktivität Gottes oder des Messias als Richter der Welt beim so genannten Jüngsten Gericht oder dem Tag des Gerichts, oder wir könnten sagen, der Beginn des „ewigen Gerichts“.

Jesus fasste das künftige Gericht des Schicksals der Gerechten und der Bösen so zusammen: „Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts“ (Joh 5,28).

Jesus beschrieb auch das Wesen des Jüngsten Gerichts in symbolischer Form als das Scheiden der Schafe von den Böcken: „Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken“ (Mt 25,31-33).

Die Schafe zu seiner Rechten werden mit folgenden Worten von ihrem Segen erfahren: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!“ (V. 34). Auch die Böcke zur Linken werden über ihr Schicksal informiert: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“ (V. 41).

Dieses Szenario der beiden Gruppen gibt den Gerechten Zuversicht und stösst die Bösen in eine Zeit einer einzigartigen Krise: „Der Herr weiss die Frommen aus der Versuchung zu erretten, die Ungerechten aber festzuhalten für den Tag des Gerichts, um sie zu strafen“ (2Pt 2,9).

Auch Paulus spricht von diesem zweifachen Tag des Gerichts, indem er ihn als „Tag des Zorns, wenn sein gerechtes Gericht offenbart werden wird“, bezeichnet (Röm 2,5). Er sagt: „Gott, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit“ (V. 6-8).

Solche biblischen Abschnitte definieren die Doktrin des ewigen oder Jüngsten Gerichts in schlichten Begriffen. Es ist eine Entweder-Oder-Situation; es gibt die Erlösten in Christus und die nicht erlösten Bösen, die verloren sind. Eine Reihe von anderen Abschnitten im Neuen Testament bezeichnet das
„Jüngste Gericht“ als eine Zeit und Situation, dem kein Mensch entkommen kann. Vielleicht die beste Weise, einen Geschmack von dieser zukünftigen Zeit zu erhalten, besteht darin, einige Abschnitte zu zitieren, die sie erwähnen.

Der Hebräerbrief spricht vom Gericht als einer Krisensituation, der jeder Mensch gegenüberstehen wird. Diejenigen, die in Christus sind, die durch sein Erlösungswerk gerettet sind, werden ihre Belohnung finden: „Und wie den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist auch Christus einmal geopfert worden, die Sünden vieler wegzunehmen; zum zweiten Mal wird er nicht der Sünde wegen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil“ (Hebr 9,27-28).

Die erretteten Menschen, die durch sein Erlösungswerk gerecht gemacht wurden, brauchen das Jüngste Gericht nicht zu fürchten. Johannes versichert seinen Lesern: „Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe“ (1Joh 4,17). Diejenigen, die Christus angehören, werden ihre ewige Belohnung empfangen. Die Gottlosen werden ihr furchtbares Schicksal erleiden. „So werden auch der Himmel, der jetzt ist, und die Erde durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer, bewahrt für den Tag des Gerichts und der Verdammnis der gottlosen Menschen“ (2Pt 3,7).

Unsere Aussage besagt, dass „in Christus der Herr gnädige und gerechte Vorsorge für alle trifft, auch für jene, die beim Tode anscheinend nicht an das Evangelium geglaubt haben.“ Wir sagen nicht, wie Gott eine solche Vorsorge trifft, ausser dass, was auch immer diese ist, eine solche Vorsorge durch Christi Erlösungswerk möglich gemacht wird, so wie es auf die zutrifft, die jetzt bereits gerettet sind.

Jesus selber wies an mehreren Stellen während seines irdischen Wirkens darauf hin, dass für die nicht evangelisierten Toten Fürsorge getroffen wird, dass sie die Gelegenheit zur Rettung erhalten. Er tat dies, indem er erklärte, dass die Bevölkerung einiger antiker Städte im Vergleich zu den Städten Judas, wo er gepredigt hatte, im Gericht Gunst finden würde:

„Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! …Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch“ (Lk 10,13-14). „Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen… Die Königin vom Süden [die kam, um Salomo zu hören] wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen“ (Mt 12,41-42).

Hier sind Menschen antiker Städte – Tyrus, Sidon, Ninive – die offensichtlich nicht die Gelegenheit hatten, das Evangelium zu hören oder Christi Erlösungswerk zu kennen. Aber sie finden das Gericht erträglich, und sie senden, einfach indem sie vor ihrem Erlöser stehen, eine verdammende Botschaft an diejenigen, die ihn in diesem Leben verworfen haben.

Jesus macht auch die schockierende Aussage, dass die antiken Städte von Sodom und Gomorra – Sprichwörter für jede grobe Unmoral – das Gericht erträglicher finden würden als gewisse Städte in Judäa, in denen Jesus gelehrt hatte. Um es in den Kontext zu setzen, wie aufschreckend Jesu Aussage ist, wollen wir uns anschauen, wie Judas die Sünde dieser beiden Städte und der Folgen, die sie in ihrem Leben für ihre Taten empfingen, darstellt:

„Auch die Engel, die ihren himmlischen Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verliessen, hat er für das Gericht des grossen Tages festgehalten mit ewigen Banden in der Finsternis. So sind auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und anderem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt und leiden die Pein des ewigen Feuers“ (Jud 6-7).

Aber Jesus sagt von den Städten im künftigen Gericht. „Wahrlich, ich sage euch: Dem Land der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als dieser Stadt [d.h. den Städten, welche die Jünger nicht aufnahmen]“ (Mt 10,15).

So legt dies vielleicht nahe, dass die Ereignisse des Jüngsten oder ewigen Gerichts nicht ganz mit dem übereinstimmen, was viele Christen angenommen haben. Die verstorbene reformierte Theologin, Shirley C. Guthrie, schlägt vor, dass wir gut daran tun, unser Denken über dieses Krisenereignis neu auszurichten:

Der erste Gedanke, den Christen haben, wenn sie an das Ende der Geschichte denken, sollte nicht ängstliche oder rachsüchtige Spekulation darüber sein, wer „drinnen“ sein wird oder „hinauffahren“ oder wer „draussen“ sein oder „hinunterfahren“ wird. Es sollte der dankbare und freudige Gedanke sein, dass wir mit Zuversicht der Zeit entgegensehen können, wann der Wille des Schöpfers, Versöhners, Erlösers und Wiederherstellers ein für alle Mal die Oberhand haben wird – wenn Gerechtigkeit über Ungerechtigkeit, Liebe über Hass und Gier, Frieden über Feindseligkeit, Menschlichkeit über Unmenschlichkeit, das Reich Gottes über die Mächte der Finsternis triumphieren wird. Das Jüngste Gericht wird nicht gegen die Welt, sondern zum Nutzen der Welt komme. Das ist eine gute Nachricht nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen!

In der Tat, darum geht es bei den letzten Dingen, einschliesslich des Jüngsten oder ewigen Gerichts: Die Triumph des Gottes der Liebe über alles, was seiner ewigen Gnade im Wege steht. Daher sagt der Apostel Paulus: „Danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füsse legt. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod“ (1Kor 15,24-26).

Der Eine, der im Jüngsten Gericht der Richter derjenigen, die durch Christus gerecht gemacht wurden, und derjenigen, die noch Sünder sind, sein wird, ist kein anderer als Jesus Christus, der sein Leben für alle als Lösegeld gab. „Denn der Vater richtet niemand“ sagte Jesus, „sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben“ (Joh 5,22).

Der Eine, der die Gerechten, die nicht Evangelisierten und sogar die Bösen richtet, ist der, der sein Leben gab, damit andere ewig leben können. Jesus Christus hat bereits das Gericht über die Sünde und die Sündhaftigkeit auf sich genommen. Das heisst nicht, dass diejenigen, die Christus ablehnen, es vermeiden können, das Schicksal zu erleiden, dass ihre eigene Entscheidung über sie bringen wird. Was das Bild des barmherzigen Richters, Jesus Christus, uns sagt ist, dass er den Wunsch hat, dass alle Menschen ewiges Leben erlangen – und er wird es all jenen anbieten, die ihren Glauben auf ihn setzen.

Diejenigen, die in Christus gerufen sind – die durch Christi Auserwählung „auserwählt“ wurden – können dem Gericht mit Zuversicht und Freude entgegensehen, im Wissen, dass ihre Erlösung in ihm sicher ist. Die nicht Evangelisierten – jene, die nicht die Gelegenheit hatten, das Evangelium zu hören und ihren Glauben in Christus zu setzen – werden auch feststellen, dass der Herr für sie Vorsorge getroffen hat. Das Gericht sollte eine Zeit der Freude für jeden sein, da es die Herrlichkeit des ewigen Reiches Gottes einläuten wird, wo in alle Ewigkeit nichts als Güte existieren wird.

von Paul Kroll

8 Shirley C. Guthrie, Christian Doctrine, Revised Edition (Westminster/John Knox Press: Lousville, Kentucky, 1994), S. 387.

Allversöhnung

Allversöhnung (Universalismus) besagt, dass alle Seelen, ob nun die Seelen von Menschen, Engeln oder Dämonen schliesslich durch Gottes Gnade gerettet werden. Einige Anhänger der Allversöhnungslehre argumentieren, dass Reue gegenüber Gott und Glaube an Christus Jesus nicht notwendig sind. Viele Anhänger der Allversöhnungslehre leugnen die Doktrin der Dreieinigkeit, und viele von ihnen sind Unitarier.

Im Gegensatz zur Allversöhnung spricht die Bibel sowohl von „Schafen“, die in das Reich Gottes eingehen, und von „Böcken“, die in die ewige Strafe eingehen (Mt 25,46). Gottes Gnade zwingt uns nicht zur Fügsamkeit. In Jesus Christus, der Gottes Auserwählter für uns ist, ist die ganze Menschheit auserwählt, aber das heisst nicht, dass alle Menschen letztendlich Gottes Gabe annehmen werden. Gott wünscht sich, dass alle Menschen zur Reue kommen, aber er hat die Menschheit zur echten Gemeinschaft mit ihm geschaffen und erlöst, und wahre Gemeinschaft kann nie eine erzwungene Beziehung sein. Die Bibel weist darauf hin, dass einige Menschen in ihrer Ablehnung von Gottes Barmherzigkeit verharren werden.


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