Die Minen König Salomos (Teil 21)

382 die minen koenig salomos teil 21„Ich stelle meinen Wagen bei Ihnen ab”, sagte Tom zum Ladenbesitzer. „Wenn ich in acht Wochen nicht zurück bin, werde ich wahrscheinlich nicht mehr leben.“ Der Ladenbesitzer schaute ihn an, als hätte er einen Verrückten vor sich. „Acht Wochen? Das überleben Sie keine zwei Wochen!“ Tom Brown jun. ist ein passionierter Abenteurer. Sein Ziel war es, herauszufinden, ob er so lange in der Wüste von Death Valley – dem tiefsten und trockensten Gebiet in Nord-Amerika und dazu noch das heisseste der Welt – durchhalten könnte. Er schrieb später darüber, dass die Umstände in der Wüste mehr von ihm abverlangten, als er bislang je erlebt hatte. In seinem ganzen Leben war er noch nie so durstig gewesen. Seine wichtigste Quelle für Trinkwasser war Tau. Jede Nacht stellte er eine Vorrichtung auf, um den Tau einzufangen und so hatte er am Morgen genug frisches Wasser zum Trinken gesammelt. Schon bald verlor Tom die kalendarische Orientierung und nach neun Wochen entschied er, es sei an der Zeit, nach Hause zurückzukehren. Er erreichte sein Ziel, gibt aber zu, dass er ohne das Vorhanden- sein von Tau nicht überlebt hätte.

Wie oft denken Sie an Tau? Wenn es ihnen wie mir ergeht, nicht allzu oft – es sei denn, man muss morgens den Tau von der Windschutzscheibe wischen! Aber Tau ist mehr als der Niederschlag auf unseren Autoscheiben (oder etwas, das ein Chaos auf dem Kricketfeld auslöst)! Er ist ein Lebensspender. Er erfrischt, stillt den Durst und belebt. Er verwandelt Felder in Kunstwerke.

Ich habe während der Sommerferien viele Tage mit meiner Familie auf einer Farm verbracht. Oft sind wir früh aufgestanden und mein Vater und ich sind zur Jagd gegangen. Ich habe nie die Frische des Morgens vergessen, wenn die ersten Sonnenstahlen die Tautröpfchen auf den Bäumen, Gräsern und Pflanzen wie Diamanten zum Glitzern und Funkeln brachten. Spinnwebfäden sahen wie Juwelenkettchen aus und die verwelkten Blumen des Vortages schienen mit neuer Energie im Morgenlicht zu tanzen.

Erfrischend und erneuernd

Ich habe mir nichts aus Tau gemacht, bis ich vor kurzem durch die Worte von Sprüche 19,12 zum Nachdenken angeregt wurde. “Die Ungnade des Königs ist wie das Brüllen eines Löwen; aber seine Gnade ist wie Tau auf dem Grase.“

Was war meine erste Reaktion? “Dieser Spruch betrifft mich nicht. Ich bin kein König und ich lebe auch nicht unter einem König.” Nachdem ich etwas nachgedacht hatte, kam mir etwas anderes in den Sinn. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, wie man die Ungnade oder Verärgerung eines Königs mit dem Brüllen eines Löwen vergleichen kann. Den Zorn von Leuten auf sich zu ziehen (insbesondere den von Autoritätspersonen) kann furchteinflössend sein – nicht unähnlich einer Begegnung mit einem wütenden Löwen. Aber wie steht es mit der Gnade wie Tau auf dem Gras? In den Schriften des Propheten Micha lesen wir von bestimmten Menschen, die sich gegenüber Gott als treu erwiesen hatten. Sie werden “sein wie Tau vom HERRN, wie Regen aufs Gras“ (Mi 5,6).

Ihr Einfluss unter den Menschen in ihrem Umfeld war erfrischend und erneuernd wie die Wirkung von Tau und Regen auf die Vegetation. Ebenso sind Sie und ich Gottes Tau im Leben derjenigen, mit denen wir in Kontakt stehen. So wie eine Pflanze lebenspendenden Tau durch seine Blätter aufnimmt – und sie zum Blühen bringt – sind wir Gottes Methode, göttliches Leben in die Welt zu bringen (1. Joh 4,17). Gott ist die Quelle des Taus (Hos 14,6) und er hat Sie und mich als Verteiler auserwählt.

Wie können wir Gottes Tau im Leben anderer Menschen sein? Eine alternative Übersetzung von Sprüche 19,12 hilft weiter: “Ein verärgerter König ist so furchterregend wie ein brüllender Löwe, aber seine Freundlichkeit ist wie der Tau auf dem Gras“ (NCV). Freundliche Worte können wie Tautropfen sein, die sich an Menschen festklammern und Leben spenden (5. Mo 32,2). Manchmal bedarf es nur einer kleinen Handreichung, einem Lächeln, einer Umarmung, einer Berührung, eines Daumenhoch oder einem einverständlichen Nicken, um jemanden zu erfrischen und zu beleben. Wir können auch für andere beten und mit ihnen die Hoffnung teilen, die wir für sie haben. Wir sind Gottes Werkzeuge seiner Präsenz im Beruf, in unseren Familien, in unseren Gemeinden – und im Spiel. Mein Freund Jack, hat mir kürzlich folgende Geschichte erzählt:

“Es ist jetzt ungefähr drei Jahre her, dass ich unserm örtlichen Bowling Club beigetreten bin. Die meisten Spieler kommen um 13 Uhr und das Spiel beginnt etwa 40 Minuten später. Während dieser Übergangszeit sitzen die Spieler zusammen und unterhalten sich, doch während der ersten Jahre hatte ich mich entschieden, in meinem Auto zu bleiben und ein wenig Bibelstudium zu betreiben. Sobald die Spieler ihre Kugeln nahmen, wollte ich dazukommen und zum Bowling-Grün gehen. Vor einigen Monaten entschied ich mich, etwas für den Club zu tun statt zu studieren. Ich suchte ein Betätigungsfeld und fand eine Arbeit im Thekenbereich. Dutzende von Gläsern mussten aus der Spüle genommen und in die Durchreiche gestellt werden; dazu Wasser, Eis und kalte Getränke sowie Bier im Clubraum bereitgestellt werden. Das nahm gut eine halbe Stunde in Anspruch, aber der Job machte mir wirklich Freude. Bowling-Grüns sind Orte, wo man eine Freundschaft machen oder beenden kann. Zu meinem Bedauern sind ein Gentleman und ich mit den Köpfen zusammengestossen und so sind wir danach auf Abstand gegangen. Jedenfalls kannst Du Dir vorstellen, wie sehr es mich überrascht und vor allem sehr gefreut hat, als er auf mich zukam und mir sagte: ‘Dass Sie hier sind, macht einen grossen Unterschied für den Club aus!’”

Ganz gewöhnliche Menschen

So einfach und doch so bedeutsam kann es sein. Wie der morgendliche Tau auf unserem Rasen. Wir können leise und freundlich einen Unterschied im Leben derer ausmachen, zu denen wir Kontakt haben. Unterschätzen Sie nie die Wirkung, die Sie ausmachen. Am Pfingsttag erfüllte der Heilige Geist 120 Gläubige. Das waren nur ganz gewöhnliche Menschen wie Sie und ich und doch waren es dieselben Menschen, die später “die Welt auf den Kopf gestellt haben”. Weniger als zweihundert Tautropfen durchfeuchteten die ganze Welt.

Es gibt noch eine andere Perspektive dieses Spruches. Wenn Sie sich in einer Autoritätsstellung befinden, dann sollten Sie bedenken, was Ihre Worte und Taten bei Ihren Untergebenen auslösen. Ein Arbeitgeber sollte gütig, freundlich und fair sein (Spr 20,28). Ein Ehemann sollte seine Ehefrau niemals grob behandeln (Kol 3,19) und Eltern sollten es vermeiden, ihre Kinder zu entmutigen, indem sie überkritisch oder herrisch sind (Kol 3,21). Stattdessen seien Sie wie der Tau – durststillend und erquickend. Lassen Sie die Schönheit der Liebe Gottes sich in Ihrem Lebensstil widerspiegeln.

Ein Gedanke zum Schluss. Tau erfüllt seinen Zweck – erfrischt, verschönert und spendet Leben. Aber ein Tautropfen schwitzt nicht bei dem Versuch, einer zu werden! Sie sind Gottes Tau, indem Sie einfach in Jesus Christus sind. Es geht hier nicht um Projekte und Strategien. Es ist spontan, es ist natürlich. Der Heilige Geist schafft das Leben Jesu in unseren Leben. Beten Sie darum, dass sein Leben durch Sie hindurchfliesst. Seien Sie einfach Sie selbst – ein kleiner Tropfen Tau.    

von Gordon Green


pdfDie Minen König Salomos (Teil 21)