Was ist Anbetung?

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Anbetung ist die göttlich geschaffene Antwort auf die Herrlichkeit Gottes. Sie wird motiviert von göttlicher Liebe und entspringt der göttlichen Selbstoffenbarung gegenüber seiner Schöpfung. In der Anbetung tritt der Gläubige in eine Kommunikation mit Gott, dem Vater, durch Jesus Christus, vermittelt durch den Heiligen Geist. Anbetung bedeutet auch, dass wir Gott demütig und freudig in allen Dingen den Vorrang einräumen. Sie äussert sich in Haltungen und Handlungen wie: Gebet, Lobpreis, Feier, Grossherzigkeit, tätiger Barmherzigkeit, Reue (Joh 4,23; 1Joh 4,19; Phil 2,5-11; 1Pt 2,9-10; Eph 5,18-20; Kol 3,16-17; Röm 5,8-11; 12,1; Heb 12,28; 13,15-16).

Gott ist der Ehre und des Lobpreises würdig

Das englische Wort „worship“ [Anbetung] verweist darauf, dass man jemandem Wert und Respekt zuschreibt. Es gibt viele hebräische und griechische Wörter, die mit Anbetung übersetzt werden, aber die hauptsächlichen beinhalten die grundlegende Vorstellung von Dienst und Pflicht, wie sie z.B. ein Knecht gegenüber seinem Herrn an den Tag legt. Sie drücken den Gedanken aus, dass Gott allein Herr über jeden Bereich unseres Lebens ist, wie dies in Christi Antwort an Satan in Matthäus 4,10 veranschaulicht wird: „Weg mit dir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten, den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen“ (Mt 4,10; Lk 4,8; 5Mo 10,20).

Andere Konzepte beinhalten Opfer, sich verbeugen, Bekenntnis, Huldigung, Hingabe usw. „Das Wesen von göttlicher Anbetung ist geben – indem wir Gott geben, was ihm gebührt“ (Barackman 1981:417).
Christus sagte, dass „die Stunde gekommen ist, dass die wahren Anbeter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn auch der Vater will solche Anbeter ha-ben. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23-24).

Die obige Passage legt nahe, dass sich Anbetung an den Vater richtet und dass sie ein integraler Teil im Leben des Gläubigen ist. Genauso wie Gott Geist ist, so wird unsere Anbetung nicht bloss physisch sein, sondern auch unser ganzes Wesen umfassen und sich auf Wahrheit gründen (beachten Sie, dass Jesus, das Wort, die Wahrheit ist – siehe Joh 1,1.14; 14,6; 17,17).

Das ganze Leben des Glaubens ist Anbetung als Antwort auf Gottes Handeln, indem wir „den Herrn, unseren Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele von ganzem Gemüt und von all unseren Kräften lieben“ (Mk 12,30). Wahre Anbetung widerspiegelt die Tiefe der Worte Marias: „Meine Seele erhebt den Herrn“ (Lk 1,46). 

„Anbetung ist das ganze Leben der Kirche, durch welches die Gemeinschaft der Gläubigen durch die Kraft des Heiligen Geistes zum Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus Amen (so sei es!) sagt“ (Jinkins 2001:229).

Was auch immer ein Christ tut, ist eine Gelegenheit für dankbare Anbetung. „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn“ (Kol 3,17; siehe auch 1Kor 10,31).

Jesus Christus und Anbetung

Der obige Abschnitt erwähnt, dass wir durch Jesus Christus danksagen. Da Jesus, der Herr, der „der Geist ist“ (2Kor 3,17), unser Mittler und Fürsprecher ist, fliesst unsere Anbetung durch ihn zum Vater.
Anbetung erfordert keine menschlichen Mittler wie z.B. Priester, weil die Menschheit durch den Tod Christi mit Gott versöhnt wurde und durch ihn „in einem Geist Zugang zum Vater hat“ (Eph 2,14-18). Diese Lehre ist der ursprüngliche Text von Martin Luthers Auffassung der „Priesterschaft aller Gläubigen“. „…die Kirche betet Gott insofern an, als sie an der perfekten Anbetung (leiturgia) teilhat, die Christus Gott für uns darbringt.

An wichtigen Ereignissen seines Lebens wurde Jesus Christus Anbetung zuteil. Ein solches Ereignis war die Feier seiner Geburt (Mt 2,11), als die Engel und Hirten frohlockten (Lk 2,13-14. 20), und bei seiner Auferstehung (Mt 28,9. 17; Lk 24,52). Auch während seines irdischen Dienstes beteten Menschen ihn als Reaktion auf sein Wirken an ihnen an (Mt 8,2; 9,18; 14,33; Mk 5,6 usw.). Offenbarung 5,20 verkündet mit Verweis auf Christus: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist.“

Kollektive Anbetung im Alten Testament

„Kindeskinder werden deine Werke preisen und deine gewaltigen Taten verkündigen. Sie sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht und deinen Wundern nachsinnen; sie sollen reden von deinen mächtigen Taten und erzählen von deiner Herrlichkeit; sie sollen preisen deine grosse Güte und deine Gerechtigkeit rühmen“ (Ps 145,4-7).

Der Brauch des kollektiven Lobpreises und der Anbetung ist fest in der biblischen Tradition verwurzelt.
Obwohl es Beispiele von individuellen Opfern und Huldigung sowie auch von heidnischer kultischer Aktivität gibt, gib es vor der Gründung Israels als Nation kein klares Muster von kollektiver Anbetung des wahren Gottes. Moses Bitte an den Pharao, dass er es den Israeliten erlauben sollte, dem Herrn ein Fest zu feiern, gehört zu den ersten Hinweisen für einen Aufruf zur kollektiven Anbetung (2Mo 5,1).
Auf ihrem Weg zum gelobten Land schrieb Mose bestimmte Festtage vor, welche die Israeliten physisch feiern sollten. Diese werden in 2.Mose 23, 3. Mose 23 und anderswo erwähnt. Sie verweisen in der Bedeutung zurück auf Gedächtnisfeiern an den Auszug aus Ägypten und an ihre Erfahrungen in der Wüste. So wurde z.B. das Laubhüttenfest eingesetzt, damit die Nachkommen der Israeliten wissen, „wie Gott die Kinder Israels in Hütten wohnen liess“, als er sie aus dem Lande Ägypten herausführte (3Mo 23,43).

Dass die Beobachtung dieser heiligen Versammlungen für die Israeliten keinen geschlossenen liturgischen Kalender darstellte wird durch die Tatsachen der Heiligen Schrift deutlich, dass später in der Geschichte Israels zwei zusätzliche jährliche Festtage von nationaler Befreiung hinzugefügt wurden. Der eine war das Purimfest, eine Zeit „der Freude und Wonne, ein Gastmahl und ein Festtag“ (Est 8,17; auch Joh 5,1 bezieht sich möglicherweise auf das Purimfest). Der andere war das Fest der Tempelweihe. Es dauerte acht Tage und begann nach dem hebräischen Kalender am 25. Kislew (Dezember), und dabei wurde durch Darstellung von Licht die Reinigung des Tempels und den Sieg über Antiochus Epiphanes durch Judas Makkabäus im Jahr 164 v.Chr., gefeiert. Jesus selber, „das Licht der Welt“, war an diesem Tag im Tempel anwesend (Joh 1,9; 9,5; 10,22-23).

Es wurden auch verschiedene Fasttage zu festgesetzten Zeiten ausgerufen (Sach 8,19), und Neumonde wurden beobachtet (Esr 3,5 usw.). Es gab tägliche und wöchentliche öffentliche Verordnungen, Riten und Opfer. Der wöchentliche Sabbat war eine befohlene „heilige Versammlung“ (3Mo 23,3) und das Zeichen des Alten Bundes (2Mo 31,12-18) zwischen Gott und den Israeliten, und auch ein Geschenk Gottes für ihre Ruhe und ihren Nutzen (2Mo 16,29-30). Zusammen mit den levitischen heiligen Tagen wurde der Sabbat als Teil des Alten Bundes angesehen (2Mo 34,10-28).

Der Tempel war ein weiterer bedeutsamer Faktor in der Entwicklung von alttestamentlichen Anbetungsmustern. Mit seinem Tempel wurde Jerusalem zur zentralen Stätte, wohin Gläubige reisten, um die verschiedenen Festtage zu feiern. „Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in grosser Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken
und Danken in der Schar derer, die da feiern“ (Ps 42,4; siehe auch 1Chr 23,27-32; 2Chr 8,12-13; Joh 12,12; Apg 2,5-11 usw.).

Die volle Beteiligung an der öffentlichen Anbetung war im Alten Bund eingeschränkt. Innerhalb des Tempelbezirks war Frauen und Kindern normalerweise der Zugang zur Hauptstätte der Anbetung verwehrt. Entmannte und unehelich Geborene sowie verschiedene ethnische Gruppen wie die Moabiter sollen „nie“ in die Versammlung hineinkommen (5Mo 23,1-8). Es ist interessant, das hebräische Konzept von „nie“ zu analysieren. Jesus stammte mütterlicherseits von einer moabitischen Frau namens Ruth ab (Lk 3,32; Mt 1,5).

Kollektive Anbetung im Neuen Testament

Es gibt in Bezug auf Heiligkeit in Beziehung zur Anbetung deutliche Unterschiede zwischen dem Alten und Neuen Testament. Wie bereits erwähnt wurde, galten im Alten Testament bestimmte Orte, Zeiten und Menschen als heiliger und daher relevanter für Anbetungspraktiken als andere.

Mit dem Neuen Testament gehen wir aus der Perspektive der Heiligkeit und Anbetung betrachtet von einer alttestamentlichen Exklusivität zu einer neutestamentlichen Inklusivität; von bestimmten Orten und Menschen zu allen Orten, Zeiten und Menschen.

So waren beispielsweise die Stiftshütte und der Tempel in Jerusalem heilige Stätten „wo man anbeten soll“ (Joh 4,20), wogegen Paulus anordnet, dass Männer nicht nur an zugewiesenen alttestamentlichen oder jüdischen Stätten der Anbetung, sondern „an allen Orten heilige Hände aufheben“ sollen, eine Praxis, die mit dem Heiligtum im Tempel assoziiert war (1Tim 2,8; Ps 134,2).

Im Neuen Testament finden Gemeindeversammlungen in Häusern, in Obergemächern, an Flussufern, am Rande von Seen, auf Berghängen, in Schulen usw. statt (Mk 16,20). Gläubige werden der Tempel, in denen der Heilige Geist wohnt (1Kor 3,15-17), und sie versammeln sich, wo auch immer der Heilige Geist sie zu Zusammenkünften leitet.

Was alttestamentliche heilige Tage wie ein „bestimmter Feiertag, Neumond oder Sabbat“ anbelangt, so stellen diese „einen Schatten des Zukünftigen“, deren Realität Christus ist (Kol 2,16-17), dar. Daher entfällt das Konzept von besonderen Gottesdienstzeiten durch die Fülle Christi.

Es gibt Freiheit bei der Auswahl der Gottesdienstzeiten entsprechend dem individuellen, gemeindlichen und kulturellen Gegebenheiten. „Der eine hält einen Tag für höher als den andern; der andere aber hält alle Tage für gleich. Ein jeder sei in seiner Meinung gewiss“ (Röm 14,5). Im Neuen Testament finden Versammlungen zu verschiedenen Zeiten statt. Die Einheit der Gemeinde kam im Leben der Gläubigen in Jesus durch den Heiligen Geist zum Ausdruckt, nicht durch Traditionen und liturgische Kalender.

In Bezug auf die Menschen stellte im Alten Testament nur das Volk Israel Gottes heiliges Volk dar. Im Neuen Testament sind alle Menschen an allen Orten eingeladen, ein Teil von Gottes geistlichem, heiligem Volk zu sein (1Pt 2,9-10).

Vom Neuen Testament lernen wir, dass kein Ort heiliger ist als ein irgendein anderer, keine Zeit heiliger ist als irgendeine andere, und kein Volk heiliger ist als irgendein anderes. Wir lernen, dass Gott, „der die Person nicht ansieht“ (Apg 10,34-35) auch Zeiten und Orte nicht ansieht.

Im Neuen Testament wird die Praxis, sich zu versammeln, auf aktive Weise ermutigt (Hebr 10,25).
In den Briefen der Apostel wird viel darüber geschrieben, was in den Versammlungen passiert. „Lasst es alles geschehen zur Erbauung!“ (1Kor 14,26) sagt Paulus, und weiter: „Lasst aber alles ehrbar und ordentlich zugehen“ (1Kor 14,40).

Die Hauptmerkmale des kollektiven Gottesdienstes beinhalteten die Predigt des Wortes (Apg 20,7; 2Tim 4,2), Lobpreis und Danksagung (Kol 3,16; 1Th 5,18), Fürbitte für das Evangelium und füreinander (Kol 4,2-4; Jak 5,16), Austausch von Nachrichten über das Werk des Evangeliums (Apg 14,27) und Gaben für die Bedürftigen in der Gemeinde (1Kor 16,1-2; Phil 4,15-17).

Besondere Ereignisse der Anbetung beinhalteten auch das Gedächtnis an das Opfer Christi. Gerade vor seinem Tod setzte Jesus das Abendmahl des Herrn ein, indem er das alttestamentliche Passaritual vollständig änderte. Statt die offensichtliche Idee eines Lammes zu verwenden, um auf seinen Leib, der für uns zerschlagen wurde, hinzuweisen, wählte er Brot, das für uns gebrochen wurde.

Darüberhinaus führte er das Symbol Wein ein, der sein für uns vergossenes Blut symbolisierte, der kein Teil des Passarituals war. Er löste das alttestamentliche Passa durch eine Anbetungspraxis des Neuen Bundes ab. So oft wir von diesem Brot essen und diesen Wein trinken verkündigen wir den Tod des Herrn, bis er wiederkommt (Mt 26,26-28; 1Kor 11,26).

Bei der Anbetung geht es nicht bloss um Worte und Handlungen des Lobpreises und der Huldigung gegenüber Gott. Es geht auch um unsere Einstellung anderen gegenüber. Daher ist die Teilnahme am Gottesdienst ohne eine Gesinnung der Versöhnung unangebracht (Mt 5,23-24).

Anbetung ist physisch, mental, emotional und geistlich. Sie involviert unser ganzes Leben. Wir geben uns selber „als ein lebendiges Opfer hin, heilig und Gott wohlgefällig“, was unser vernünftiger Gottesdienst ist (Röm 12,1).

Schluss

Anbetung ist eine Deklaration der Würde und der Ehre Gottes, ausgedrückt durch das Leben des Gläubigen, und durch seine Beteiligung an der Gemeinschaft der Gläubigen.

von James Henderson


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