Gott der Töpfer

Erinnern Sie sich, als Gott die Aufmerksamkeit Jeremias auf die Scheibe des Töpfers richtete (Jer. 18,2-6)? Gott benutzte das Bild vom Töpfer und dem Ton, um uns eine eindringliche Lektion beizubringen. Ähnliche Botschaften, die das Bild vom Töpfer und dem Ton gebrauchen, finden wir in Jesaja 45,9 und 64,7 sowie in Römer 9,20-21.

Einer meiner Lieblingstassen, die ich im Büro oft zum Teetrinken benutze, trägt ein Bild meiner Familie. Während ich sie gerade betrachte, erinnert sie mich an die Geschichte der sprechenden Teetasse. Die Geschichte wird von der Teetasse in der ersten Person erzählt, und erklärt, wie sie zu dem wurde, was ihr Schöpfer vorhatte.

Ich war nicht immer eine schöne Teetasse. Ursprünglich war ich lediglich ein formloser Klumpen von durchnässtem Ton. Aber jemand legte mich auf eine Scheibe und fing an, die Scheibe so schnell zu drehen, dass mir schwindlig wurde. Während ich mich im Kreis drehte, quetschte, drückte und zerriss er mich. Ich schrie aus: „Stop!“. Aber ich erhielt die Antwort: „Noch nicht!“.

Schliesslich hielt er die Scheibe an und steckte mich in den Ofen. Es wurde heisser und heisser, bis ich schrie: „Stop!“. Wiederum erhielt ich die Antwort „Noch nicht!“ Schliesslich nahm er mich aus dem Ofen und fing an, Farbe auf mich aufzutragen. Der Rauch machte mich krank, und wiederum schrie ich: „Stop!“. Und einmal mehr war die Antwort: „Noch nicht!“.

Dann nahm er mich aus dem Ofen und nachdem ich mich abgekühlt hatte, stellte er mich auf den Tisch vor einen Spiegel. Ich war erstaunt! Der Töpfer hatte aus einem wertlosen Tonklumpen etwas Schönes gemacht. Wir sind alle Tonklumpen, nicht wahr? Indem er uns auf die Töpferscheibe dieser Erde legt, macht unser Meistertöpfer uns zu der Neuschöpfung, die wir nach seinem Willen sein sollten!

Als er von den Härten dieses Lebens sprach, die uns so oft zu begegnen scheinen, schrieb Paulus: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unser äusserer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Massen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig“ (2. Kor. 4,16-17).

Unsere Hoffnung liegt in etwas, das ausserhalb und jenseits dieser gegenwärtigen Welt ist. Wir vertrauen dem Wort Gottes, wir erachten unsere gegenwärtigen Trübsale als leicht und zeitlich im Vergleich zu dem, was Gott für uns bereithält. Aber diese Prüfungen sind Teil des christlichen Lebensweges. In Römer 8,17-18 lesen wir: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Auf vielerlei Weise haben wir Anteil an den Leiden Christi. Einige erleiden natürlich für ihren Glauben den Märtyrertod. Jedoch haben die meisten von uns in anderer Weise Anteil an den Leiden Christi. Freunde mögen uns verraten. Menschen verstehen uns oft falsch, sie schätzen uns nicht, sie lieben uns nicht oder missbrauchen uns sogar. Dennoch, da wir Christus nachfolgen, vergeben wir wie er uns vergeben hat. Er opferte sich selbst als wir noch seine Feinde waren (Röm. 5,10). Das ist der Grund, warum er uns aufruft, uns besonders anzustrengen, um Menschen zu dienen, die uns misshandeln, uns nicht wertschätzen, uns nicht verstehen oder uns nicht mögen.

Nur „auf Grund von Gottes Barmherzigkeit“ werden wir aufgerufen, „lebendige Opfer“ zu sein (Röm. 12,1). Gott ist in uns durch den Heiligen Geist aktiv am Wirken, um uns in das Bild Christi umzuwandeln (2. Kor. 3,18), etwas unermesslich besseres als ein Klumpen von durchnässtem Ton!

Gott ist in jedem von uns aktiv am Wirken, in all den Ereignissen und Herausforderungen, die unser Leben mit sich bringt. Aber jenseits der Schwierigkeiten und Prüfungen, denen wir begegnen, ob sie nun Gesundheit oder Finanzen oder den Verlust eines geliebten Menschen einschliessen, ist Gott mit uns. Er vervollkommnet uns, verändert uns, er gestaltet und formt uns. Gott wird uns niemals verlassen oder versäumen. Er ist mit uns in allen Kämpfen.

von Joseph Tkach


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